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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 12. Mai 2017

Kultur: „Ich vermittle Atmosphäre“

DER KÜNSTLER MARKUS LÜPERTZ vor der erstmals gezeigten Vorzeichnung des 1977 ausgeführten Wandgemäldes für das Krematorium Ruhleben in Berlin. Foto: Bastian

DER KÜNSTLER MARKUS LÜPERTZ vor der erstmals gezeigten Vorzeichnung des 1977 ausgeführten Wandgemäldes für das Krematorium Ruhleben in Berlin. Foto: Bastian

 

ZKM-Retrospektive „Markus Lüpertz. Kunst, die im Wege steht“ mit 80 Arbeiten

Markus Lüpertz mag es drastisch. Für einen, der die Malerei feiert, ist das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) nach eigenen Worten „der Feind“. Zwar könne der Mensch „Göttliches wie die Malerei“ nicht abschaffen, „aber wie alle Götter können wir Künstler wegdämmern“, deshalb stelle er an „kriegerischen Orten“ wie dem ZKM aus, konfrontiere sich mit dem Zeitgeschehen und neuem Kunst-Vokabular.

Alles existiere im Vergleich, in der Auseinandersetzung offenbare sich der Wert neuer und alter Medien. Noch bis 20. August zeigt das ZKM in Kooperation mit der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur und dem Museum Küppersmühle für Moderne Kunst Duisburg die Retrospektive „Markus Lüpertz. Kunst, die im Wege steht“ mit 80 Bildern und Plastiken aus fünf Jahrzehnten.

Aber das ZKM bliebe sich nicht treu, wäre dort nicht noch etwas Anderes zu sehen als bisher, denn über Lüpertz sei „noch nicht alles und nicht das Richtige gesagt worden“, sind die Kuratoren Walter Smerling und ZKM-Chef Peter Weibel überzeugt. Ihre Schau lenkt den Blick auf die richtungsweisende Malerei des „expressiven Neoromantikers“, aber auch auf seine Skulpturen, Reliefs und Druckstöcke. Präsentiert werden Werke wie „Angst im Walde“, die erstmals gezeigte 20-teilige Arbeit „Gegen Abend besetzen Störche Lüpolis“ oder der „Dädalus-Zyklus“.

Eigens für den Lichthof 9 und seine Zweitheimat Karlsruhe, in der er von 1974 bis 1986 mit Weggefährten wie Georg Baselitz und Per Kirkeby an der Kunstakademie lehrte, hat der 76-Jährige seine Kunst einem Bühnenbild gleich inszeniert. Als Hintergrund dient die 8 mal 14 Meter große Vorzeichnung seines 1977 ausgeführten Wandgemäldes für das Krematorium Ruhleben in Berlin. Davor liegen tonnenschwere, auf Böcken aufgebahrte Steinguss-Teile seiner „Merkur-Skulptur“, deren Rumpf, Arme, Hände, Beine und Schädel.

Der Raum beruhige, sagt Lüpertz dazu, er sei „eine Art Zwischenwelt.“ Markus Lüpertz hat sich stets neu erfunden, ist bildender Künstler, Dichter und Free-Jazzer. Seine Kunst polarisiere als „imposanter Störfaktor“, werde gerühmt und verpönt, anerkannt und verkannt, schreibt Götz Adriani im Katalog. Lüpertz ficht das nicht an. Was er sich bei der Bilderserie über den Faschismus (1980) gedacht habe, will ein Journalist wissen. „Fragen Sie mich nicht“, antwortet dieser, „das müssen Sie selber herausfinden, ich vermittle Atmosphäre“. -maf-

 
 

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