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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 12. Mai 2017

Stimmen aus dem Gemeinderat: CDU: Pflege in der Zukunft

Dr. Thomas Müller, Stadtrat CDU-Fraktion

Dr. Thomas Müller, Stadtrat CDU-Fraktion

 

Laut Bundespflegestatistik gab es 2013 in Karlsruhe 8.391 pflegebedürftige Menschen, Tendenz steigend. Im Jahr 2020 werden bereits 9.163 und 2030 schon 10.117 Karlsruher pflegebedürftig sein.

Wir, die CDU-Fraktion, haben uns dem Thema vertiefter angenommen und uns mit Experten aus dem Bereich der Pflege getroffen. Mit diesen haben wir darüber gesprochen, welche Weichen die Politik in Karlsruhe aus deren Sicht zu stellen hat, damit unsere Stadt auf die immer größere Anzahl an pflegebedürftigen Bürgern vorbereitet ist. Wir erfuhren, dass in Karlsruhe etwa 63 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause gepflegt werden, 37 Prozent in stationären Einrichtungen.

Eine wichtige Handlungsempfehlung der Experten an uns war, dass die starre Trennung der verschiedenen Pflegeformen nicht sinnvoll ist. Stationär vor ambulant ist künftig als Maßstab nicht mehr aufrechtzuerhalten, wenn man einer großen Anzahl an Pflegebedürftigen die richtige Zuwendung ermöglichen möchte. Für pflegebedürftige und alte Menschen müssen Wahlmöglichkeiten geschaffen werden. Stationär und ambulant, betreute Wohnformen und innovative Pflegeformen müssen parallel und gleichwertig vorhanden sein. Durch bessere Vernetzung sowie Ausbau von bedarfsgerechten Mischformen ambulanter und stationärer Einrichtungen muss Wahlmöglichkeit auch im Alter ermöglicht werden.

Insbesondere in den Quartieren und Stadtteilen sollte dies umgesetzt werden. Bisher sind in Karlsruhe ambulant betreute Wohngruppen noch relativ selten. Hier bedarf es Anstrengungen, diese Pflegeform zu erweitern. Immer dabei im Blick behalten werden muss, dass Pflege alleine nicht immer ausreicht. Die Menschen müssen auch vor Vereinsamung geschützt werden.

Bei dem Gespräch hörten wir nicht zum ersten Mal, dass die neue Landesheimbauverordnung viele der vorhandenen Pflegeeinrichtungen vor eine Herausforderung stellt. Durch die Regelung „pro Zimmer ein Patient“ können weniger Patienten aufgenommen werden. Das Gesetz verfolgt das lobenswerte Ziel, dass Pflegebedürftige die nötige Privatsphäre bekommen. Kehrseite ist allerdings, dass vorhandene Plätze wegfallen und teure Umbauten vorgenommen werden müssen. Um mehr Plätze zu schaffen, muss neu gebaut werden. Hierfür bedarf es jedoch freier Grundstücke, möglichst gut verteilt in den Stadtteilen. Auch hier ist die Politik gefragt für Flächen zu sorgen.

Ein weiteres Thema ist der Fachkräftemangel. Weitere Offensiven für die Pflegeberufe müssen nach Ansicht der CDU-Fraktion dringend angegangen werden. Die Verfahren für qualifizierte Anerkennungspraktikanten sollten vereinfacht und beschleunigt werden. Ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement sind weiter unerlässlich und zu fördern, beides kann aber den Fachkräftemangel nicht ausgleichen. Pflegebedürftigkeit ist ein Thema, mit dem sich jeder von uns ganz persönlich rechtzeitig auseinandersetzen sollte. Pflegestützpunkte und andere Stellen helfen Betroffenen, ihren Angehörigen und allen Interessierten die entsprechenden Hilfsangebote zu finden und darüber zu informieren.

Die CDU-Fraktion hat durch das Gespräch mit den Pflegeexperten erfahren, mit welch großem Engagement sich die verschiedenen Akteure der Aufgabe stellen. Dafür gilt allen unser herzlicher Dank.

Dr. Thomas Müller
Stadtrat CDU-Fraktion

 
 

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