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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 19. Mai 2017

Integrationspreis: Fremden begegnen, Distanz überwinden

BELOHNT UND GEWÜRDIGT für ihren umtriebigen Einsatz im Sinne der Integration wurden im gut besuchten Bürgersaal des Rathauses Bikes without Borders, das Agneshaus und Gun Strecker. Foto: Fränkle

BELOHNT UND GEWÜRDIGT für ihren umtriebigen Einsatz im Sinne der Integration wurden im gut besuchten Bürgersaal des Rathauses Bikes without Borders, das Agneshaus und Gun Strecker. Foto: Fränkle

 

Karlsruher Integrationspreis anerkennt Gruppe, Schule und Bürgerin als Brückenbauer

„Die Badner, die Schwaben, die aus der Südstadt, den Bergdörfern“: Es gebe genug Hinweise, referierte Soziologin Prof. Dr. Annette Treibel vorige Woche im Rathaus zur Verleihung des Karlsruher Integrationspreises, dass es vielleicht typisch deutsch ist, sich mit dem nahen Umfeld zu identifizieren und abzugrenzen.

Selbst ohne Zuwanderung sei aber die moderne Gesellschaft per se heterogen und so zu akzeptieren. Ein christlich geprägtes Land sollte zugleich natürlich (selbst)bewusst weiter christliche Feste begehen, für den Halt.

„Eine Haltung, die sich in Wertschätzung, Respekt und Offenheit Allen gegenüber zeigt“, fördert der Integrationspreis Barbara Mehnert zufolge. Sie ist Vorsitzende des Kuratoriums und des Internationalen Begegnungszentrums (ibz), die diese „zum friedlichen und gewaltfreien Umgang miteinander“ beitragende Auszeichnung zum bereits 21. Mal vergaben – an drei Akteure: „Bikes without borders“ ist ein 2012 ins Leben gerufene Projekt des Freundeskreises Asyl, das Radfahren und -reparaturen anbietet, aber noch viel mehr. Laudator Dankwart von Loeper (Menschenrechtszentrum) erinnerte an die 200-Jahre-Fahrrad-Feier, der Erfinder und Demokrat Karl Drais hätte sicher seine Freude am Wirken der Gruppe, die Distanzen überwinde: „Wo sich Zusammenarbeit entwickelt, Nähe zugelassen, Heimat verwirklicht wird, gibt es keine Fremden.“

Auch das Agneshaus setze sich dafür ein, „dass Fremde zu Freunden werden“, würdigte stellvertretender Dekan Erhard Bechtold, sprach von „Anerkennung und Ansporn“. Seit vier Jahren besuchen Schüler Landeserstaufnahme-Stellen, verbringen einen kreativen Nachmittag pro Woche mit Kindern, Familien. Auch die Erinnerung an NS-Gräuel zählt zum Engagement der katholischen Fachschule für Sozialpädagogik.

Gun Strecker, betonte als „Freude und Ehre“ die städtische Gleichstellungsbeauftragte Annette Niesyto, zeige seit Jahrzehnten: „Schreiben verbindet“. Veröffentlichte Porträts, ihr dokumentierter Einsatz, bildeten aber nur die Spitze des Eisbergs des Wirkens der gebürtigen Schwedin, die aus ihrer US-Zeit das schwierige Ankommen im Fremden kenne: „Brücken bauen war und ist ihr eine Herzensangelegenheit.“ OB Dr. Frank Mentrup sagte zu allen Preisträgern und den vielen Vorgeschlagenen, aber noch nicht Berücksichtigten: „Ihr Engagement soll uns Vorbild sein.“ Gerade Karlsruhes Geschichte belege, wie wichtig Zuzug sei und dass eine Stadt neue Ideen brauche, um sich entwickeln zu können. -mab-

 
 

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