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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 26. Mai 2017

Stadtgeschichte: Bewahrer der BLB

Theodor Längin kam vor 150 Jahren auf die Welt

Der 1932 pensionierte Direktor der Badischen Landesbibliothek (BLB) war ein selbstbewusster Vertreter des Standes wissenschaftlicher Bibliothekare, der sich eine Generation zuvor etabliert hatte. Der „unaufdringlich-feinsinnige Bibliothekar“, so ein Zeitgenosse, verband das Gelehrtentum mit modernen Anforderungen, Mittler zwischen Buch und Benutzer zu sein.

Als einer der ersten führte er 1920 einen präzisen Schlagwortkatalog ein, entwarf das lange gültige Muster für Katalogisierung von Handschriften. In einer Zeit, als staatliche Sparmaßnahmen selbstverständlich mit höheren Benutzungsgebühren einhergingen, forderte er für die Landesbibliothek als Einrichtung für alle Schichten den kostenfreien Zugang. Seiner Beharrlichkeit und klugen Taktik war es zuzuschreiben, dass die BLB erhalten blieb, anstatt 1931 nach Wirtschaftlichkeitsvorgaben des Ministeriums in der Bücherei der Technischen Hochschule aufzugehen.

Längin wurde am 14. Mai 1867 als einziges Kind des evangelischen Weststadtpfarrers Georg Längin geboren. Nach Studium von Germanistik, Geschichte, Philosophie und anschließender Promotion blieb er 1892 bis 1894 zunächst in Karlsruhe als Volontär bei der Badischen Hof- und Landesbibliothek. Danach fand er eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Universitätsbibliothek im südbadischen Freiburg und war dort nebenamtlich Leiter der Allgemeinen Volksbücherei, Vorläufer der Stadtbibliothek, deren Entstehen aus der Bücherhallenbewegung um 1890 herrührte.

Nach anglo-amerikanischem Vorbild der Public Libraries sollte eine gute Ausstattung und Auswahl der Bücher einer breiten Volksbildung dienen. Seine Karriere führte ihn 1901 in die Schweizer Hauptstadt Bern, wo Längin der Hochschulbibliothek vorstand, ehe er 1904 den Ruf nach Karlsruhe zum Leiter der Druckschriftenabteilung der Landesbibliothek unter Verleihung des Professorentitels erhielt. Nach dem Tod seines Vorgängers wurde dem Gelehrten wie exzellenten Verwaltungsmann 1916 dann der Direktorenposten anvertraut. Am 29. Mai 1947 starb er in seiner Heimatstadt. -jsk-

 
 

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