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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 2. Juni 2017

Artistik auf Rädern: Hochradballett aus Prag verzaubert mit Perfektion

ERHABEN: Das Hochradballett vor dem Schloss. Foto: Jürgen Rösner

ERHABEN: Das Hochradballett vor dem Schloss. Foto: Jürgen Rösner

 

Zehn Männer in Knickerbocker und gestreiften Polo-Hemden machen sich bereit. Beide Hände an den Lenker, linker Fuß auf den Aufsteiger, mit rechts abstoßen, in den Sattel gleiten und losrollen - auf dem Hochrad. Für die Mitglieder des Velocipistenclubs 1880 aus Prag kein Problem, für die meisten Zuschauer vor dem Schloss eine kaum zu bewältigende artistische Hochleistung.

Und dann geht es los. Zur Ouvertüre von Rossinis „Die diebische Elster“ rollen die meist ergrauten Herren mit ihren schicken Kappen über das holprige Pflaster. Auf vorgezeichneten Linien kreiseln sie in höchster Perfektion und harmonischer Choreographie dahin. Mal einhändig, mal winkend, mal parallel, mal gegenläufig. Immer voll konzentriert - die Anspannung steht jedem ins Gesicht geschrieben. Stanislav Kalina ist Rentner und seit 17 Jahren dabei. „Wir sind ständig unterwegs“, erzählt der routinierte Tscheche. „Aber vor jedem Auftritt üben wir einige der Figuren.“ Leider ist die Vorführung viel zu schnell vorbei, das Publikum restlos begeistert.

Wie gefährlich Hochradfahren ist, berichtet Markus Beer: „Immer wieder kommt es zu Stürzen.“ Der Sammler aus Gütersloh hat sich deshalb für Festivals ein sogenanntes Sicherheitsrad zugelegt – mit gleichgroßen Rädern. Aber auch mit diesem Rover von 1891 ist das Bremsen schwierig und der fehlende Freilauf nichts für Anfänger. Rolf Huber aus Karlsruhe, den man vor allem mit Laufmaschine und Zylinder kennt, fährt auch Hochrad und berichtet, dass es gar nicht so einfach ist, die bis 1,50 Meter großen Räder zu bereifen. „Manchmal muss ich die Vollgummi-Reifen mit Innenspirale dreimal oder viermal aufziehen, bis alles sitzt“, so Huber. Wer das Hochradballett vergangenen Donnerstag und Samstag verpasst hat, braucht sich übrigens nur im Netz in die Sendung mit der Maus vom 28. Mai zu klicken. Hier machen die Herren aus Prag den Abspann zum Höhepunkt.
-res-

 
 

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