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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. Juni 2017

Karlsruhe zeigt Flagge: Großer Tag für Zusammenhalt

EIN VIELFARBIGER MENSCHENSTROM mit zahlreichen Zeichen und Signalen zog am 3. Juni durch Durlachs Zentrum. Foto: Fränkle

EIN VIELFARBIGER MENSCHENSTROM mit zahlreichen Zeichen und Signalen zog am 3. Juni durch Durlachs Zentrum. Foto: Fränkle

MIT VIEL HERZBLUT zeigte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup wie Hunderte, die sich schon seit dem Vormittag am Bahnhof Durlach versammelt hatten, klare Kante gegen rechts. Foto: Fränkle

MIT VIEL HERZBLUT zeigte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup wie Hunderte, die sich schon seit dem Vormittag am Bahnhof Durlach versammelt hatten, klare Kante gegen rechts. Foto: Fränkle

CONCHITA WURST, bekannt durch Österreichs besonderen ESC-Sieg, zählte zu den Gästen eines besonders schillernden und starken diesjährigen CSD in Karlsruhe. Foto: Fränkle

CONCHITA WURST, bekannt durch Österreichs besonderen ESC-Sieg, zählte zu den Gästen eines besonders schillernden und starken diesjährigen CSD in Karlsruhe. Foto: Fränkle

 

Nur 300 Teilnehmer bei rechtem Aufmarsch / Insgesamt blieb es recht friedlich / Viel Andrang bei CSD

„Das war ein großer Tag für die Stadtgesellschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl in Karlsruhe - und ein Desaster für ‚Die Rechte‘“, zog Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Bilanz am Abend des 3. Juni.

Dazu habe die erfolgreiche Zusammenarbeit des Aktionsbündnisses mit rund 150 Gruppen aus allen gesellschaftlichen Bereichen beigetragen. „Toll war auch, wie Durlach mit all seinen Aktionen vor und während des heutigen Tages Position bezogen hat.“ Und der Christopher Street Day (CSD) war für das Stadtoberhaupt „der quirligste und bestbesuchte“ aller bislang erlebten Jahre.

Bunt, laut, friedlich haben sich nach Polizeiangaben fast 3000 Menschen in Durlach dem angemeldeten rechten Aufmarsch zum so genannten Tag der deutschen Zukunft entgegengestellt. „Wie unsere Zukunft aussieht", entschieden die Bürger selbst, rief Mentrup am Mittag als erster Redner auf der am Bahnhofsvorplatz eigens errichteten Bühne zu einem starken Signal gegen „bundesweit bekannte Neonazis, Hooligans“ und andere rechte Umtriebe auf: „Das ist nicht unsere Heimat, das ist nicht unsere Gesellschaft.“ Vielmehr bilde „Vielfalt das Fundament unseres Reichtums“. Losungen, die auf Beifall stießen, während immer wieder viele Kehlen lauthals „Nazis raus!“ skandierten. Unzählige Akteure und Gruppen trugen den Protest mit und zeigten Flagge, was das Stadtoberhaupt sichtlich erfreut begrüßte.

„Schaut auf diese Stadt“, ermahnte er die letztlich laut Polizei gut 300 Rechtsradikalen, deren Aufmarsch die Polizei kontrolliert starten und am Bahnhof wieder enden ließ. Dort gab es wie in den angrenzenden eingeplanten Bereichen und abseits davon reges Treiben engagierter Mitstreiter für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Protest. Vereinzelt kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, wenn vor allem Einzelne aus dem linksradikalen Spektrum die Absperrungen durchbrechen und das andere Lager erreichen wollten. Die Einsatzkräfte schritten ein, wenn und wie es notwendig war.

Stadt und Polizei arbeiteten Hand in Hand, unterstrich Erster Bürgermeister Wolfram Jäger erleichtert bei einer ersten Bilanz vor den Medien. Friedfertigkeit sei vor allem zu konstatieren und dass der unvermeidliche Versammlungstag gut bewältigt werden konnte. Zu hoffen bleibe, „dass diese unwillkommenen Gäste sich lange nicht mehr sehen lassen in Karlsruhe“, das seine demokratischen Rechte auf andere Weise pflegen, auf eine bessere Zukunft blicken könne. Polizeipräsident Günther Freisleben hob hervor, dass „die mit Abstand größte Teilnehmerzahl“ friedlich agiert habe. Einer klaren Minderheit gegenüber gelte: „Man muss als Staat zeigen – es gibt Grenzen.“

Teils vor dem rechten Aufmarsch und etwas verzögert dann als Hauptstrom gegen rechtsextreme Propaganda zogen Tausende über durch das dichte Zentrum des größten Karlsruher Stadtteils, der aufgrund der Anmeldung durch die Partei „Die Rechte“ Versammlungsort war. Deutscher Gewerkschaftsbund, das Netzwerk gegen Rechts, Parteien, Verbände und viele andere Akteure hatten mobilisiert. Mit Pfiffen, Transparenten, dem weißen Banner einer Schule, auf dem jeder per Handabdruck „Farbe bekennen“ konnte, und vielem mehr gab es ein klares Zeichen „für eine“, wie Mentrup noch betont hatte, „offene Gesellschaft“. Auch auf der anschließenden Kundgebung im Herzen Durlachs.

Nach kurzfristiger neuerlicher Ablehnung angemeldeter Redner durch das städtische Ordnungsamt durften von Seiten der Rechtsradikalen nur noch drei Agitatoren das Wort ergreifen. Sofern das durch Störungen der bewusst in Hör- und Sichtweite Gegendemonstrierenden möglich war. Auch der CSD mit teils politisch gefärbter Demoparade für Homo-, Bisexuelle und Transgender transportierte in Karlsruhes City die Botschaft einer vielfältig bunten Stadt. -mab-

 
 

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