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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 30. Juni 2017

Gemeinderat: Not ist größer denn je

Konzept Wohnungslosenhilfe / Sachstandbericht: Zahl der Obdachlosen steigt

Der zehnte Sachstandsbericht zum Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe als lokaler Strategie der Armutsbekämpfung markiert ein kleines Jubiläum, aber zu feiern gibt es auf den ersten Blick derzeit nicht viel.

Karlsruhe kämpft mit den Auswirkungen des angespannten Wohnungsmarkts im Niedrigpreissegment. Folglich bleibt die Zahl wohnungsloser Menschen auf konstant hohem Niveau. Wies die in zweijährigem Turnus vorgelegte Statistik Ende 2014 noch 448 Menschen ohne eigene Bleibe aus, waren es binnen Jahresfrist 509 und 2016 sogar 579 obdachlosenrechtlich untergebrachte Familien, Paare und Alleinstehende. Aber eines ist klar: Ohne Instrumente wie die „Wohnraumakquise durch Kooperation“, Differenzierung der Angebote, flankierende Hilfen sowie die gute Vernetzung aller Partner, sähe es weit schlimmer aus. Das war auch Tenor im Gemeinderat, der das Aktionsprogramm seit 20 Jahren einvernehmlich mitträgt und der dessen engagierte Akteure mit großem Lob bedachte. Für Bürgermeister Martin Lenz, der just wiedergewählt wurde, war es ein „besonderer Tag“. Er dankte für die „starke politische Lobby“. Die brauche es auch künftig, denn die Wohnungsnot sei „brennender denn je.“

„Erschreckend“ sei die drastische Entwicklung, sagte CDU-Stadträtin Elke Wiedemann und geißelte sie als „gesellschaftliches Problem.“ Bei den Obdachlosenzahlen finde sich Karlsruhe wieder auf dem Stand von 1992, „das ist kein Ruhmesblatt“. „Höchste Anerkennung“ zollte Yvette Melchien (SPD) den Beteiligten der „wegweisenden Form kommunalen Handelns“, die erfolgreiche Wohnraumakquise habe deutschlandweit Vorbildcharakter. „Weitermachen“ kommentierte Michael Borner von den Grünen, jeder Mensch ohne Wohnung sei einer zu viel.

KULT-Stadrat Max Braun forderte, künftig stärker im Niedrigpreissegment zu bauen und in den Augen von Karl-Heinz Jooß (FDP) gleiche der Bericht „bei diesen Voraussetzungen“ fast „einem „Wunder.“ Die Folgen von Wohnungslosigkeit beeinträchtigten Grundrechte und damit sei der Anspruch auf Unterbringung „eine Selbstverständlichkeit“, machte Linke-Stadträtin Sabine Zürn deutlich. Für die Zukunft forderte sie, den Blick anhand geschlechtsspezifischer Daten intensiver auf wohnungslose Frauen zu lenken. Die Probleme seien „nicht hausgemacht“, merkte Friedemann Kalmbach (GfK) an. Ihn beeindruckten „innovative Mischkonzepte“ wie sie für ein Haus am Werderplatz zur Sicherung preiswerten Wohnraums entwickelt wurden, darüber hinaus bräuchten die Menschen Arbeit, um sich zu stabilisieren. -maf-

 
 

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