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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 30. Juni 2017

Stadtgeschichte: Ein Unbequemer Geistlicher

BEKENNENDER PAZIFIST: Der Pfarrer Hanns Löw. Foto:  Schlesiger

BEKENNENDER PAZIFIST: Der Pfarrer Hanns Löw. Foto: Schlesiger

 

Der Pfarrer und Sozialist Hanns Löw starb vor 50 Jahren in Karlsruhe

Dieser Lebensweg war dem bayerisch-schwäbischen Bauernsohn nicht in die Wiege gelegt. Der am 8. Juni 1889 in Harburg geborene Hanns Löw trat nach dem Theologiestudium 1913 die Vikarstelle in (Grenzach-)Wyhlen an, meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger und war Militärgeistlicher an die West- und Ostfront. Aus dem Ersten Weltkrieg kehrte Löw als entschiedener Pazifist zurück und fing 1919 erneut nur als Vikar in Villingen an.

Löw trat, beeindruckt von der Arbeiterschaft der Uhrenindustrie der Baarstadt und ihren sozialen Problemen, der SPD bei. Das war außergewöhnlich für die überwiegend deutschnationale und konservative protestantische Landeskirche und brachte ihm Anfeindungen ein. Zeit seines Wirkens blieb Löw der Landeskirche ein „unbequemer Untergebener“. Noch 1919 wurde er in die Diasporagemeinde – das heißt, mehrheitlich katholisch – Riegel am Kaiserstuhl versetzt. Hanns Löw gehörte aktiv dem 1924 gebildeten „Bund religiöser Sozialisten“ an. Als 1931 in Karlsruhe die Altstadtgemeinde II, die vor allem das „Dörfle“ umfasste, zu besetzen war, fiel für diese als „schwierigste des Landes“ geltende Gemeinde, heute hieße dies vermutlich: ein sozialer Brennpunkt, die Wahl auf den dazu für geeignet gehaltenen Löw.

Fast 35 Jahre versah Hanns Löw diese Stelle, engagierte sich zusammen mit seiner Frau, Deta genannt, sprichwörtlich unermüdlich für die sozialen Belange der Bewohner. Er hielt aufrüttelnde Predigten in der Stadtkirche gegen die neuen NS-Machthaber. Löw gehörte zur Bekennenden Kirche. Obwohl bespitzelt und von Haussuchungen betroffen, blieb der stets misstrauisch Beäugte im Amt. Nach 1945 engagierte sich erneut für die SPD, lehnte kompromisslos die Remilitarisierung und atomare Aufrüstung ab. Zusammen mit Gustav Heinemann und Martin Niemöller trat er in Karlsruhe dagegen auf, war Teilnehmer am Ostermarsch der Friedensbewegung. Er war Mitbegründer der „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Karlsruhe“. Die Einweihung des neuen Gemeindehauses in der Kreuzstraße 13, das seinen Namen erhielt, erlebte er 1965 noch, bevor er erkrankt am 6. Juni 1967 starb. -jsk-

 
 

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