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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 7. Juli 2017

Ehrenamt: Mutig sein und sich selbst vertrauen

HILFE ZUR SELBSTHILFE: Gabriele Becker ermutigt Menschen mit Behinderungen zum eigenständigen Leben. Foto: Strobel-Heck/afsta

HILFE ZUR SELBSTHILFE: Gabriele Becker ermutigt Menschen mit Behinderungen zum eigenständigen Leben. Foto: Strobel-Heck/afsta

 

Bürgermentorin Gabriele Becker: Barrieren zwischen Behinderten und „Normalos“ abbauen

„Wir können Ihnen leider nicht helfen“ – die Diagnose, das Augenlicht zu verlieren, war für Gabriele Becker ein Schock. Die Erzieherin, die so gerne mit Kindern gearbeitet hat, stand vor einer radikalen Veränderung. Doch sie war mutig und traute sich, ein eigenständiges Leben neu zu lernen – aber auch Hilfe anzunehmen.

„Es war ein harter Weg“, erzählt sie. „Ich habe mich auf meine Fähigkeiten besonnen und wollte meine Erfahrungen an Andere weitergeben.“ Da waren ihre Liebe zu Kindern und ihr starker Wille, aus allem das Beste zu machen. Sie gründete die Selbsthilfegruppe „Blickpunkt“ für Blinde, Sehbehinderte und deren Freunde. Die Mitglieder treffen sich einmal im Monat zum Austausch und unternehmen Ausflüge. Jemand schenkte ihr ein Tandem. Da sie wieder sportlich aktiv sein wollte, gründete sie die Aktion „Blind-sehend – gemeinsam in die Natur“. Ehrenamtliche fungieren als „Piloten“: Sie lenken das Rad und erzählen ihren blinden Sozien, was sie sehen. „Dazu haben sich viele Studierende mit Migrationshintergrund gemeldet“, sagt Becker. Sie nutzen die Aktion, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

Auf jeden Fall wollte sie sich mit Kindern und Jugendlichen engagieren. So nahm sie die Einladung zum Bürgermentorenkurs als Türöffner zu einem neuen Betätigungsfeld an. Sie initiierte drei Projekte nach dem städtischen Förderprogramm „jes – Jugend engagiert sich“. Bei „Kinder engagieren sich für Kinder mit Handicap“ schufen Schüler einen Sinnesparcours für behinderte Kinder. Gymnasiasten gestalteten eine Internetseite für Sehbehinderte. Jugendliche mit und ohne Behinderung probierten bei „Du und ich – wir kochen gemeinsam“ Rezepte aus. Daraus entstand ein Kochbuch.

Unbeirrt verfolgt sie ihr Ziel, die Barrieren zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen abzubauen. „Begegnungen helfen, die Angst vor dem Anderssein zu verlieren“, weiß Becker. Sie geht in Schulen und Kindertagesstätten, um mit jungen Menschen über Sehbehinderungen zu sprechen. Für Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes führt sie Sicherheitsschulungen im Umgang mit Menschen mit Behinderungen durch. Sie wurde Mentorentrainerin und hat in drei Kursen 49 Bürgermentoren ausgebildet, engagierte sich im Beirat für Menschen mit Behinderungen und im Forum Ehrenamt. „Jeder Mensch hat Fähigkeiten und Talente, die er an andere weitergeben kann, ob behindert oder nicht behindert“, ist Gabriele Becker felsenfest überzeugt. -afsta-/-rsh-

Infos zum Engagement

Wer sich für die Selbsthilfegruppe „Blickpunkt“, das Projekt „Tandem fahren“, ein Gespräch zum Thema Sehbehinderung oder das Kochbuch aus dem jes-Projekt „Du und ich – wir kochen gemeinsam“ interessiert, kann über die Internetseite www.blickpunkt-karlsruhe.de Kontakt zu Gabriele Becker aufnehmen.

Informationen über das Förderprogramm „jes – Jugend engagiert sich“ und die Mentorenausbildung sind auf der Internetseite des dem städtischen Amt für Stadtentwicklung angeschlossenen Büros für Mitwirkung und Engagement unter www.karlsruhe.de/bme erhältlich. Das Büro für Mitwirkung und Engagement in der Zähringerstraße 61, Telefon 133-1212 hat dienstags bis freitags von 9 bis 12 Uhr geöffnet, darüber hinaus donnerstags von 13 bis 17 Uhr.

 
 

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