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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 7. Juli 2017

Städtepartnerschaften: 14. Deutsch-Russische Städtepartnerkonferenz in Krasnodar

Altes und Neues in der boomenden Stadt Krasnodar: Konferenzteilnehmende vor der Alexander-Newski- Kathedrale, im Hintergrund Hochhäuser, um den Wohnbedarf zu decken. Foto: Altenburg

Altes und Neues in der boomenden Stadt Krasnodar: Konferenzteilnehmende vor der Alexander-Newski- Kathedrale, im Hintergrund Hochhäuser, um den Wohnbedarf zu decken. Foto: Altenburg

 

Neue Entspannungspolitik gefordert / Außenminister betonten Willen zur Zusammenarbeit / Fruchtbarer Austausch in Foren

Mit offenen Armen und Herzen empfing Karlsruhes südrussische Partnerstadt Krasnodar in der vergangenen Woche 400 Teilnehmende aus 92 Städteverbindungen zur 14. Deutsch-Russischen Städtepartnerkonferenz. Alle waren entschlossen, ihre Freundschaften unabhängig von großer Politik zu bewahren und weiter zu intensivieren.

Der Vorsitzende des veranstaltenden deutsch-russischen Forums, Matthias Platzeck, bezeichnete die Konferenz als eine der Superlative, da erstmals die Außenminister Sigmar Gabriel und Sergej Lawrow im Jahr der Kreuzbeziehungen des deutsch-russischen Jugendaustauschs und der kommunalen regionalen Partnerschaften teilnahmen. Es gelte alles zu tun, um den Frieden zu bewahren, plädierte Platzeck für eine neue Ostpolitik im Sinne Willy Brandts. Gastgeber OB Ewgenij Perwyschow, der großes Lob für die professionelle Konferenzorganisation erhielt, betonte, dass gegenwärtig viel von den Kommunen abhänge, und davon, der nächsten Generation den Staffelstab zu reichen. Denn von ihr hänge es ab, „ wie wir unsere Zukunft aufbauen“. Darum sei das parallele „Jugendforum so wichtig“.

Gegenseitige Entfremdung zwischen Deutschen und Russen dürfe nicht zugelassen werden, versicherte auch Lawrow. Phobien der Vergangenheit müssten abgelegt werden. Ziel sei, „den Dialog zwischen unseren Staaten zu normalisieren und große gemeinsame Projekte in der Informations- und Hochtechnologie, Wirtschaft, Kultur, Kriegsgräberfürsorge, im Humanitärem, der Bildung und der Terrorismusbekämpfung weiter zu verfolgen.

Großes Potential in der Zusammenarbeit sah auch Gabriel: „Wir brauchen vertrauensbildende Austausche wie diese Konferenz. Zur Völkerverständigung von unten“ müssten gewachsene Beziehungen weiter gedeihen, die Bürger unterstützt, nicht behindert werden. Er spüre eine große Sehnsucht, der Menschen, Europäer wie Russen, sich in einer neuen Entspannungspolitik wieder anzunähern, auf einander zuzugehen und jeweils zu verstehen, was der andere sage. Widersprüche und Meinungsverschiedenheiten dürften dem Dialog nicht im Weg stehen.

In den Konferenzforen, an denen auch OB´s teilnahmen, zeigte sich großes Interesse, die seit 2017 wieder wachsenden Wirtschaftsbeziehungen weiter zu intensivieren. Etwa zwischen Karlsruhe und Krasnodar im IT-Bereich. Notwendig seien gegenseitiges Vertrauen und reger Informationsaustausch, um auch kleinere und mittlere Unternehmen einzubinden. Nachhaltige, (energie-) effiziente Entwicklung der Infrastruktur samt Technologietransfer, vor allem im Wohnungsbau, in kommunaler Selbstverwaltung und unter Bürgerbeteiligung erwies sich als eine der größten Herausforderungen für die kommunale Zusammenarbeit.

Nachdrücklich warnten die Deutschen davor, kommunale Betriebe der Daseinsvorsorge zu privatisieren, wie derzeit in größeren russischen Städten angedacht. In der Gedenkkultur nähern sich unterschiedliche Gedenkmodelle langsam an, wobei künftige Projekte auf die Jugend zugeschnitten sein müssen. Vorgeschlagen wurden eine Akademie für junge Wissenschaftler zur Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte, Internetprogramme zum Sprachenlernen, eine deutsch-russische Datenbank von Kriegsgefangenen sowie gemeinsame Ausstellungen von Beutekunst. Egal wer sie heute besäße, wichtig sei, dass die Menschen sie sehen könnten.

Hinsichtlich Bildung und Sprache gelte es, den Rückgang des Deutsch- und Russischunterrichts zu stoppen und Stereotype abzubauen. Im Sport als wichtigen Beitrag zu Verständigung und Toleranz ging es beispielsweise um Karlsruher Deeskalationsstrategien im Umgang mit Fußballfans und Unterstützung bei der Organisation der WM 2018. Soziale Fragen kreisten um den Komplex Integration, Teilhabe und Menschenwürde. So entstehen in Russland derzeit inklusive Musterprojekte wie ein Ressourcenzentrum, sind Alter und Demenz ein Problem und wird überlegt, wie Menschen in schweren Lebenslagen unterstützt werden können.

Die nächste Konferenz findet 2019 im Kreis Düren statt, gefolgt 2021 von dessen Partnerin Mitischi.-cal-

 
 

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