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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 14. Juli 2017

300 Jahre jüdische Gemeinde in Karlsruhe: Früh Privilegienbrief genutzt

FEIERN JUBILÄUM: Vorsitzender Kupershmidt, OB Mentrup, Staatssekretärin Splett, Zentralratsvorsitzender Schuster (v. l.). Foto: Homberg

FEIERN JUBILÄUM: Vorsitzender Kupershmidt, OB Mentrup, Staatssekretärin Splett, Zentralratsvorsitzender Schuster (v. l.). Foto: Homberg

 

Schon ab dem Juli 1717 lebten jüdische Familien in der Fächerstadt

Am 6. Juli 1717 erhielten der aus der heutigen tschechischen Republik gekommene Benjamin Kahn und seine Familie einen Schutzbrief von Markgraf Karl-Wilhelm von Baden-Durlach. Diese jüdische Familie durfte sich als erste in der neu gegründeten Residenz niederlassen.

Ab diesem Tag kann man von jüdischem Leben in Karlsruhe sprechen. Und drei Jahre später haben bereits 13 weitere jüdische Familien in „Carolsruhe“ gelebt. Gerade einmal gut zwei Jahre nach der Grundsteinlegung für das Schloss und damit der Stadtgründung haben demnach auch Juden das vom Stadtgründer erlassene Privileg der Religionsfreiheit genutzt. Die Jüdische Kultusgemeinde hat dieses 300-Jahre-Jubiläum am Sonntag und damit nach dem Sabbat mit einem festlichen Empfang in ihrer Synagoge gefeiert.

Der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Dr. Petr Kupershmidt umriss dabei in wenigen Zahlen die Geschichte des Judentums in Karlsruhe. So berichtete er etwa darüber, dass mit Rabbiner Nathanael Weil ab der Mitte des 18. Jahrhunderts ein Geistlicher in Karlsruhe wirkte, dessen Grab auf dem alten Friedhof an der Kriegsstraße auch heute noch von Juden aus aller Welt besucht wird. Mit seinen Schriften hat er ein lange Zeit wirkendes jüdisches Druckwesen in Karlsruhe eingeläutet. Selbstverständlich ließ er den Nationalsozialismus mit der Schändung beider Karlsruher Synagogen nicht aus. 1971 entstand eine wieder neu an der Knielinger Allee, die heute religiöse Heimat für etwa 850 Gemeindemitglieder ist.

Auch OB Dr. Frank Mentrup beleuchtete die Entwicklung im jüdischen Leben Karlsruhes. So hatten die beiden Gemeinden 1923 rund 3.500 Mitglieder. Nach dem brutalen Ende durch die Nationalsozialisten, nach Reichspogromnacht, Deportation und Ermordung lebten nur noch wenige Juden in Karlsruhe. Die aber gut 25 Jahre nach Ende der Barbarei wieder eine eigene Synagoge erhielten. Eine nach wie vor sehr moderne, wie Dr. Josef Schuster konstatierte, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland. Für ihn war es eigentlich kein großer Anlass, ein 300-Jahre-Jubiläum zu feiern. Dann aber bedachte er, dass schon zwei Jahre nach Stadtgründung die ersten Juden zuziehen durften: „Das gibt es in keiner anderen Stadt in Deutschland!“

Schuster zitierte auch das großherzogliche Judenedikt von 1809, mit dem der Oberrat der Israeliten in Baden gegründet wurde. Wie der OB und wie die Vertreterin der Landesregierung, Staatssekretärin Dr. Gisela Splett, ließ er die schlimmen Erfahrungen im Nationalsozialismus nicht aus und forderte auch, sichdem erneut ausbreitendem Antisemitismus entgegen zu stellen. -erg-

 
 

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