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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 14. Juli 2017

Stadtgeschichte: Begabter Vermittler

BLICK INS JAHR 1906: Prinz Max mit Familie. Foto: Stadtarchiv

BLICK INS JAHR 1906: Prinz Max mit Familie. Foto: Stadtarchiv

 

Vor 150 Jahren wurde Prinz Max von Baden geboren

„Totengräber der Monarchie“ oder Vertreter eines badischen „weltbürgerlich-humanistischen Liberalismus“, so lauten Urteile über Prinz Max von Baden. Beide sind falsch.

Unbestreitbar bleibt das Scheitern seiner fünfwöchigen Kanzlerschaft 1918. Von der Militärdiktatur Ludendorff vorgeschickt, einen Verständigungswaffenstillstand zu schließen und die Fürstendynastien zu retten, musste er die Abdankung Wilhelm II. verkünden und die Kanzlerschaft einem Sozialdemokraten übertragen, um vergeblich die Revolution zu verhindern.

Erst die Kinderlosigkeit seines Vetters, Großherzog Friedrich II., hatte den am 10. Juli 1867 geborenen Max(imilian) zum Thronanwärter gemacht. Sein vom Vater verlangtes Jurastudium hatte er ohne Ambitionen absolviert, ebenso den Offiziersdienst. Die Familie bewohnte das 1899 erworbene heutige Prinz-Max-Palais.

Außerhalb adeliger Kreise unterhielt Prinz Max Kontakte zu dem naturreformerischen Mystiker Johannes Müller, dem Modearzt des „nervösen Zeitalters“ Axel Munthe, dem sport- und militärbegeisterten Geologen Wilhelm Paulcke oder Cosima Wagner und ihrem pangermanischen und antisemitischen Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain. Dem für das Militär Ungeeigneten wurde 1911 das Präsidenten-Amt der 1. Kammer der Badischen Ständeversammlung übertragen. Max‘ diplomatische und vermittelnde Fähigkeiten überragten gewöhnliche höfische Umgangsformen. Das bewies er beispielsweise in der internationalen Kriegsgefangenenfürsorge.

Seit 1917 wurde er als möglicher Reichskanzler gehandelt, ausgestattet mit dem Programm eines „ethischen Imperialismus“, konzipiert vom Ratgeber Kurt Hahn. „Deutsche geistige und militärische Überlegenheit“ gepaart mit „dem durch die Fürsten ausgedrückten Volkswillen“ wurden ernsthaft gegen die „mammongestützte, verlogene Welt der Entente“ gesetzt. Das mit Hahn seit 1917 aufgestellte Programm verfolgten beide nach 1919 mit der Internatsschule Salem als elitäres pädagogisches Programm bis zu Max´ Tod 1929. -Jsk-

 
 

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