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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 28. Juli 2017

Gemeinderat: „Schöpfung“ statt Werbetafeln

STRAHLKRAFT: Markus Lüpertz will mit Keramikreliefs zur Genesis ein temporäres Kunstwerk für die Kombilösung schaffen. Foto: Bastian

STRAHLKRAFT: Markus Lüpertz will mit Keramikreliefs zur Genesis ein temporäres Kunstwerk für die Kombilösung schaffen. Foto: Bastian

AUSBAU SCHREITET VORAN: Bis Ende des Jahres ist der Rohbau in den unterirdischen Haltestellen der Kombilösung fertig. In den Stationen  - wie hier am Durlacher Tor - sollen künftig Werke von Markus Lüpertz zu sehen sein. Foto: Fränkle

AUSBAU SCHREITET VORAN: Bis Ende des Jahres ist der Rohbau in den unterirdischen Haltestellen der Kombilösung fertig. In den Stationen - wie hier am Durlacher Tor - sollen künftig Werke von Markus Lüpertz zu sehen sein. Foto: Fränkle

 

Gemeinderat für Kunst von Markus Lüpertz in U-Bahn-Haltestellen / Mehrheit im Plenum für temporäres Projekt in privater Finanzierung / OB weist Kritik zurück

Mit der Mehrheit von 28 gegen 17 Stimmen machte der Gemeinderat am Dienstag den Weg frei für Kunstwerke von Markus Lüpertz in den sieben unterirdischen Bahn-Haltestellen der Kombilösung. Voraussetzung dafür: Die Gestaltung finanziert sich über private Sponsoren und hat befristeten Charakter.

Für das Kunstprojekt an den Bahnsteigen der Tram-Stationen unter der Kaiserstraße und auf dem Südabzweig, in dem Lüpertz auf dem Platz von ursprünglich vorgesehenen 14 Werbetafeln oder -vitrinen mit je einer Fläche von zwei Metern Höhe und 4,30 Metern Breite die Schöpfungsgeschichte „Genesis – die sieben Tage des Herrn“ darstellen will, stimmten CDU, SPD, FDP, GfK, AfD, FW-Stadtrat Jürgen Wenzel, KULT-Stadtrat Lüppo Cramer und OB Dr. Frank Mentrup. Gegen die 14 Werke, die für eine Dauer von sechs Jahren in den Haltstellen gezeigt werden sollen und danach für ein Jahr im Ausstellungsraum der U-Station Marktplatz präsentiert werden könnten, votierten GRÜNE, vier der fünf KULT-Stadträte, die Linke und der parteilose Stadtrat Stefan Schmitt.

Die Entscheidung, grünes Licht zu geben für die 14 Keramikreliefs, die in der Majolika-Manufaktur gefertigt werden sollen, beinhaltet vor allem auch die vollständige Finanzierung der Teilgestaltung der Haltestellen durch private Geldgeber. Die Umsetzung des Projekts mit Lüpertz, das auf Initiative des früheren Majolika-Geschäftsführers Anton Goll entstand, kostet laut Vorlage der Verwaltung etwa eine Million Euro. Goll hat bisher bereits die Zusage von Sponsoren, die insgesamt etwa die Hälfte der Summe abdecken. Die Stadt Karlsruhe selbst stellt keinerlei Mittel zur Verfügung.

Zu Beginn der 90-minütigen Debatte im Plenum betonte OB Mentrup, das Angebot von Lüpertz berühre sein „Grundverständnis von Stadtpolitik“. Er sehe sich als „Ermöglicher“. Bei der Entscheidung für das Projekt gehe es nicht um ein neues Gestaltungskonzept. Das 2005 beschlossene Lichtkunstkonzept für die Haltestellen gelte nach wie vor. Es gehe vielmehr um die Frage, ob die Stadt bürgerschaftliches Engagement honoriere und Lüpertz eine Fläche zur Kunstgestaltung ermögliche, die sonst für Werbung vorgesehen wäre. Die aus Kunstkreisen geäußerte Kritik, die den demokratischen Charakter des Vorhabens anzweifelte, wies Mentrup scharf zurück: Das Projekt habe mit dem VBK-Aufsichtsrat und dem KASIG-Verwaltungsrat die zuständigen Stellen passiert, und mit dem Gemeinderat entscheide jetzt „das höchstmögliche Gremium auf kommunaler Ebene“.

Auch für CDU-Stadtrat Dr. Albert Käuflein ging es darum, „ob wir ein temporäres Geschenk annehmen wollen oder nicht“. Er konnte die Kritik am Verfahren ebenfalls „nicht nachvollziehen“, genau so wenig die am künstlerischen Entwurf. Käuflein: „Wir haben kein Verbot der religiösen Kunst im öffentlichen Raum.“ Für die SPD begrüßte Stadträtin Elke Ernemann, dass mit Markus Lüpertz ein internationaler Künstler sein Schaffen der Stadt anbiete, „mit der er verbunden ist“. Sie war sich sicher: „ Kunst von Lüpertz bringt Strahlkraft in den Untergrund“. Auch FDP-Fraktionschef Tom Hoyem stellt sich hinter das Projekt und warf den Kritikern vor eine „total überflüssige Neid-Debatte“ zu führen. Man müsse nicht religiös sein, „um sich mit dem Thema Schöpfung zu beschäftigen“, signalisierte AfD-Stadtrat Dr. Paul Schmidt seine Zustimmung. GfK-Stadtrat Friedmann Kalmbach und FW-Stadtrat Jürgen Wenzel erkannten beide in dem Projekt „eine große Chance für Karlsruhe“.

Der Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum beim Lüpertz-Projekt widerspreche der Praxis, „auch eine erweiterte künstlerische Gestaltung auszuschreiben“, begründete Stadträtin Renate Rastätter die Absage der GRÜNE-Fraktion an einen „Blanko-Beschluss“. Sie bemängelte „Fachlichkeit und Transparenz des Verfahrens“ und sah auch die „thematische Festlegung auf die Schöpfungsgeschichte kritisch“. Wie KULT-Fraktionschef Erik Wohlfeil, der die Genesis „in der Wissenschaftsstadt Karlsruhe fehl am Platz“ fand und fürchtete, das Projekt werde „die Gesellschaft spalten“. Stadträtin Sabine Zürn (Die Linke) bezweifelte „den demokratischen Entscheidungsprozess“, und Stadtrat Stefan Schmitt (parteilos) machte seine Absage an der Person von Markus Lüpertz fest. -trö-

 
 

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