Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. August 2017

Stadtgeschichte: Chlorophyllforschungen

Richard Martin Willstätter, Foto: Stadtarchiv

Richard Martin Willstätter, Foto: Stadtarchiv

 

Vor 75 Jahren starb Nobelpreisträger Willstätter

„Wenn ich noch einmal leben dürfte, wollte ich wieder in Karlsruhe zur Welt kommen“, schrieb Richard Martin Willstätter kurz vor seinem Tod in seinen Erinnerungen. Die jüdische Familie war seit 1720 in Karlsruhe ansässig, aus ihr waren Lehrer, Kaufleute und Rabbiner hervorgegangen.

Die Kindheitserinnerungen hatten den am 13. August 1872 in Karlsruhe in der heutigen Kaiserstraße 173 Geborenen offensichtlich maßgeblich beeindruckt, war doch die Mutter mit ihm und dem älteren Bruder, während der Vater in New York eine Kleiderfabrik leitete, schon 1883 nach Nürnberg zur großbürgerlichen Verwandtschaft gezogen. Dort absolvierte Willstätter 1890 am Realgymnasium das Abitur, heute trägt die Schule seinen Namen. Er studierte an der Universität München Chemie und habilitierte dort.

Obwohl nicht religiös, lehnte er anders als sein Freund Fritz Haber ab, sich der Karriere wegen taufen zu lassen. Von 1905 bis 1912 hatte er an der Eidgenössischen Hochschule in Zürich eine Professur, ehe er zum neugegründeten Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie nach Berlinwechselte. Herausragend blieben die Synthese des Kokains, seine Enzymforschungen, für die Forschungen zum Blattfarbstoff Chlorophyll erhielt er 1915 den Nobelpreis. 1916 kehrte er an die Universität München zurück, wo der gänzlich Uneitle einen Kreis junger Wissenschaftler um sich scharte. Wegen antisemitischer Anfeindungen gab er 1925 seinen Lehrstuhl auf und zog sich zurück. 1939 emigrierte er in die Schweiz nach Muralto bei Locarno, wo er kurz vor seinem 70. Geburtstag an einer Herzerkrankung am 3. August 1942 starb.

1949 wurde eine Allee im Fasanengarten nach ihm benannt, 1968 am Tag der Überreichung der Nobelpreise brachten Stadt und Universität eine Erinnerungsplakette am Nachfolgebau seines Geburtshauses an, die nach dem Ende des dortigen Geschäftshauses Wohlschlegel still verschwand. jsk

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe