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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. August 2017

Stadtmuseum: Was sich 68 in Karlsruhe abspielte

IN EHREN ERGRAUT: Alt-68er Cramer (l.), Möser (2. v. l.), Rastätter (2. v. r.) und Fußer (r.) mit Dr. Alexandra Kaiser. Foto: Homberg

IN EHREN ERGRAUT: Alt-68er Cramer (l.), Möser (2. v. l.), Rastätter (2. v. r.) und Fußer (r.) mit Dr. Alexandra Kaiser. Foto: Homberg

 

Aufgalopp einer Ausstellung, für die noch Exponate und Zeitzeugen gesucht werden

Im nächsten Jahr werden die Unruhen der 68er-Zeit ein halbes Jahrhundert zurückliegen. Aus diesem Anlass veranstaltet das Stadtmuseum 2018 eine Ausstellung zu den Auswirkungen in Karlsruhe. Kuratorin Dr. Alexandra Kaiser sucht noch Exponate und Zeitzeugen, um zu dokumentieren und zu erläutern, was sich im bewegenden und bewegten Jahr 1968 in der Fächerstadt tat. Wer etwas beisteuern möchte, kann sich unter Telefon 133-4222 oder per E-Mail an alexandra.kaiser@kultur.karlsruhe.de gerne bei ihr melden.

Zum Aufgalopp hat Kaiser vorige Woche im Rahmen des Historischen Mittwochabends vier Persönlichkeiten eingeladen, die Karlsruhe und die Ereignisse in der Zeit um 1968 miterlebt und aktiv gestaltet haben. Dass unter ihnen mit Renate Rastätter (GRÜNE) und Lüppo Cramer (KULT) zwei heutige Mitglieder des Gemeinderats waren, wollte Kaiser eher als Zufall sehen. Cramer, gelernter Drucker, war einer der Köpfe der „Werkstatt 68“ in der Lessingstraße, in der Musiker wie Franz Degenhardt oder Dieter Süverkrüp auftraten. Und er war in der freien Kindergartenarbeit aktiv. Rastätter hatte an der hiesigen Pädagogischen Hochschule (Bismarckstraße) eine sozialistische Studentinnengruppe gegründet.

Ebenfalls im damaligen linken Spektrum angesiedelt waren Klaus Möser und Markus Fußer. Möser war einer der Karlsruher Mitbegründer des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS). Fußer war unter anderem beim Sozialdemokratischen Hochschulbund (SHB) aktiv, der dem SDS nachgefolgt war, nachdem die SPD zu diesem wegen seiner linksradikalen Ausrichtung auf Distanz gegangen war. Doch auch zwischen SHB und SPD gab es bald Spannungen, der Name konnte nicht Bestand haben, die Organisation firmierte dann als Sozialistischer Hochschulbund.

Während die Akademiker sehr viel theoretisierten, über Staat und Gesellschaft philosophierten, dachten die damals jungen Leute vom Zuschnitt Cramers eher daran, sich mit Musik und unkonventionellem Verhalten gegen die Elterngeneration aufzulehnen. Gesinnungsgenossen zog es seinerzeit viele Abende in den „Republikanischen Club“ in der Ettlinger Straße.

Gefragt, ob es 1968 eine Revolution gegeben habe, fielen die Antworten unterschiedlich und doch ähnlich aus. So war Rastätter von den sozialistischen Ideen geheilt, als sie bei einem Besuch in Dresden den real existierenden Sozialismus der DDR erlebte. Dennoch musste sie wegen des Extremistenerlasses zu einer Anhörung, bevor sie als Lehrerin arbeiten konnte. Für Cramer war es eher eine Revolte. Möser erfuhr sehr schnell als Berufsschullehrer, das „das Proletariat“ andere Probleme hatte. Für Fußer war 68 der Anstoß für noch immer einsetzende und ausstehende soziale wie auch kulturelle Innovationsprozesse. -erg-

 
 

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