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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 29. September 2017

Gemeinderat: Starkes Zeichen für die Zukunft

KLARES BEKENNTNIS: Nach Meinung des Gemeinderats hat sich das Staatstheater unter Peter Spuhler der Stadtgesellschaft geöffnet, es greife aktuelle Themen auf, biete aber auch klassische Kunst. Foto: Bastian

KLARES BEKENNTNIS: Nach Meinung des Gemeinderats hat sich das Staatstheater unter Peter Spuhler der Stadtgesellschaft geöffnet, es greife aktuelle Themen auf, biete aber auch klassische Kunst. Foto: Bastian

 

Sanierung und Erweiterung des Badischen Staatstheaters / Trotz Kostensteigerung bekennt sich Gemeinderat zum Großprojekt / Sparoptionen prüfen

Es bleibt dabei – trotz der drastischer Kostensteigerung von ursprünglich 125 Millionen auf nun bis zu 325 Millionen Euro stellte sich der Gemeinderat am Dienstag mit großer Mehrheit hinter die Sanierung und Erweiterung des Badischen Staatstheaters, deren Finanzierung Stadt und Land je zur Hälfte schultern.

Enthalten hatten sich nach der rund zweistündigen Debatte Friedemann Kalmbach (GfK) und der parteilose Stefan Schmitt, Nein sagten Michael Borner (GRÜNE) und Dr. Paul Schmidt (AfD). Als „starkes Zeichen“ für die Zukunft des Staatstheaters wertete OB Dr. Frank Mentrup das letztlich klare Votum, räumte aber auch ein, es brauche „etwas Mut und Selbstvertrauen, diesen Weg zu gehen“. Die Kostenexplosion sei ein Schock gewesen.

Diese Einschätzung einte das Stadtparlament ebenso wie die Forderung, im begleitenden Landesbauausschuss intensiv nach Einsparmöglichkeiten zu suchen, die Bürger in den Prozess einzubinden und die zehnjährige Bauzeit möglichst zu verkürzen. Den dringend notwendigen, in drei Module gegliederten Theaterumbau, der sämtliche Spielstätten an einer Stelle konzentriert, stellte hingegen niemand in Frage. Auch das Land wolle das Projekt zügig angehen, versicherte Mentrup.

Im Juni lagen erstmals nach der Überarbeitung des 2014 ausgezeichneten Entwurfs von Delugan Meissl Architekten Zahlen zu den voraussichtlichen Vollkosten des Großprojekts vor. Enthalten sind darin nun auch Ausgaben für Vorabmaßnahmen, Ausstattung, Provisorien, Aufwendungen für die Gestaltung des Vorplatzes sowie Kostenindex, Baunebenkosten und ein Risikopuffer. Es sei ein Fehler gewesen, mit den Zahlen so früh an die Öffentlichkeit zu gehen, bedauerte CDU-Stadtrat Dr. Albert Käuflein den Schritt. Damit sei „ein falscher Eindruck entstanden“, seien „falsche Erwartungen“ geweckt worden. Am Grundsatzbeschluss hielt er fest.

Kultur brauche eine breite Basis und eine Spitze, zu der das Staatstheater mit seiner Strahlkraft gehöre. Dennoch wollte Käuflein die Belastung auf 300 Millionen Euro reduziert wissen. „Große Einsparbrocken“ sah SPD-Stadträtin Elke Ernemann nicht, erwartete aber eine Reduzierung der Betriebskosten und kündigte an, auch die Personalentwicklung im Auge zu behalten. So oder so werde man die Finanzierung „an irgendeiner Stelle in der Stadt spüren“. Wichtig war ihr, den 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern akzeptable Arbeitsbedingungen zu bieten.

„Das kann und darf nicht wahr sein“ schilderte Dr. Ute Leidig (GRÜNE) ihre Reaktion auf die „ungeheuerliche Summe“. Mittlerweile wisse sie, „es geht nicht anders“, alles sei so stark miteinander verwoben, dass sich Einzelteile nicht herauslösen ließen. Sie bat das Theater, jede Einsparoption zu prüfen und um Sponsoren zu werben. „Lassen Sie das Raumschiff fliegen“ riet KULT-Stadtrat Michael Haug in Anlehnung an die Geschichte der Nasa-Sonde „Cassini“, „nachfolgende Generationen werden es uns danken“.

Als „gigantischen Sprung in die Zukunft“ wertete FDP-Fraktionschef Tom Høyem die Sanierung und sah große Chancen für die Stadtentwicklung. Die Halbherzigkeit der Vorgänger habe die heutige Misere mit eingebrockt. Gegen „Stückwerk“ verwahrte sich auch FW-Stadtrat Jürgen Wenzel, er wolle „alles oder nichts“. Der Investitionsstau rechtfertige die hohe Summe, positionierte sich LINKE-Stadtrat Niko Fostiropoulos und lobte die Verwaltung. Sie habe aus Fehlern gelernt und schaffe Transparenz, das sei „prima“.

Verwundert über den Verlauf der Debatte war AfD-Stadtrat Dr. Paul Schmidt. Viele ungeklärte Fragen und nicht ausreichend bewertete Alternativen machten seine Zustimmung unmöglich. Friedemann Kalmbach (GfK) war zuvor mit einem Antrag zur Vertagung der Entscheidung gescheitert. Er hielt das Votum für verfrüht, wollte wissen, was als „Worst-Case-Szenario“ zu erwarten sei und warnte davor, sich „aufs Glatteis“ zu begeben. -maf-

 
 

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