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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 13. Oktober 2017

Welttag der seelischen Gesundheit: Online austeilen, real leiden

Risiken der Internet-Parallelwelt im Podium, über Tweets und Brücken erörtert

Quasi öffentliche Tagebücher, sich schnell verbreitende Bilder und Schmähungen im Netz können Zweifel nähren – und fatal wirken. „Virtuelle Verletzungen sind real“: Das thematisierte die zentrale Aktion des Programms von Stadt und Kreis zum Welttag der seelischen Gesundheit (karlsruhe.de/wsg).

„Ich finde generell, dass man kein Handy braucht im Unterricht“, erklärte Miria im Pressegespräch, was die gesamte Schülerschaft der Realschule Rüppurr mit Mehrheitsvotum gegen eine Handyzone festigte. Auch Fragen des am Montag als interaktives Experiment neben einer Twitterwall (#vvsr17) eingebundenen e-Votings zeigte: Das Offline-Sein verursacht bei Jugendlichen nicht per se Panik. Sie sind keineswegs allgemein verroht.

Und den meisten scheint dank Reflexion, der Auseinandersetzung bewusst, welche Gefahren das Netz bis hin zu Sucht oder Mobbing birgt. Ältere erinnerten, dass es schon immer Attacken gab – wegen vermeintlich komischer Attribute, durch Zufall, aus Launen, Dynamiken heraus, heute aber mehr hinterfragt und geholfen wird. So Prof. Dr. Markus Appel (Uni Würzburg), der zur Podiumsdebatte „Mein Leben online“ darlegte, was Täter nach dem Suizid eines Opfers tendenziell zur Frage sagen, warum sie so mobbten: „Das macht Spaß.“ Leidtragende nähmen nicht selten die Diffamierungen an, bezeichnen sich selbst als anders, fett, dumm.

Kontrollverlust das Schlimmste

Weiteren Voting-Ergebnissen des Abends im Landesmedienzentrum zufolge fürchten die meisten Kontrollverlust, und sie hoffen auf eine Person, die den Rücken stärkt. Auch beteuerte das Gros, Betroffenen helfen zu wollen. Entscheidend, unterstrich Cordula Sailer, Leiterin der städtischen Hauptabteilung Beratung: „Systematischer Drangsalierung über einen längeren Zeitraum mit dem Ziel, auszugrenzen“ (als Definition) sei die Akzeptanz des unterschiedlich Seins entgegenzuhalten. In der Tat sollte Missverhalten nicht unterstützt, kein Maßstab aufgedrängt werden.

Vorab zeigten Schülerinnen und Schüler den Medien auf, wie sie sich mit dem Thema befassten. Viele wünschten sich das regulär im Unterricht. An der Pestalozzischule Durlach entstanden aufklärende Flyer und ein Film mit Eskalations-Szenario. Die „Generation Internet“ betitelte Schülerzeitung Ernschtle der Ernst-Reuter-(Medien-)Schule wägt Pro und Contra ab, erklärt im Kern-Artikel das Handy-Verbot als veraltet; die Vorteile des Internets seien zu nutzen, Risiken zu achten. In Rüppurr gibt es eine wöchentliche AG, vielerorts Streitschlichter. -mab-

 
 

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