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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 27. Oktober 2017

Stadtgeschichte: Lange verkannt

MARKGRÄFIN Magdalene Wilhelmine Foto: StA

MARKGRÄFIN Magdalene Wilhelmine Foto: StA

 

Magdalene Wilhelmine starb vor 275 Jahren

Sie war wohl eine der verkanntesten badischen Fürstinnen: Magdalene Wilhelmine, Gattin des Karlsruher Stadtgründers Karl Wilhelm. Ihr Todestag – sie starb am 30. Oktober 1742 als 65-Jährige in der Durlacher Karlsburg - liegt jetzt 275 Jahre zurück.

Um die Beziehungen zwischen Baden und Württemberg zu festigen, wurde sie dynastisch bei der so genannten Kreuzhochzeit mit dem badischen Thronfolger verheiratet. Die ungeliebte, als hässlich und zänkisch diffamierte  Tochter des württembergischen Herzogspaares erwartete aber wenigstens eine standesgemäße Ehe in zuletzt gegenseitigem Respekt. Die gleichzeitig mit  Magdalenes Bruder verheiratete Schwester Karl Wilhelms hatte es weit schwerer, wurde in Stuttgarter hinter der Geliebten ihres Mannes zurückgesetzt.

Den überbordend sinnlichen Karl Wilhelm hatte sein Vater zunächst ermahnen müssen, auch seiner Ehefrau „beizuwohnen“, wozu sich dieser dann bequemte. Das Ergebnis waren drei Kinder, die allerdings früh starben. Das Paar hatte sich arrangiert, Magdalene blieb in Durlach, kam aber zu repräsentativen Festen in das neue Residenzschloss, wo ihr Gatte mit wechselnden Partnerinnen aus seinem Hoftheaterensemble lebte. Erst als er den Theaterbetrieb  nach dem Tod des Erbprinzen Friedrich aufgab, näherten sich die beiden wieder an. Geprägt von strenger evangelischer Erziehung, war die gebildete Markgräfin aber ebenso wie ihr Gatte den schönen Künsten zugetan, musizierte, sang und schrieb Gedichte.

.Ansehen erwarb sie sich in Durlach „als große Wohltäterin der Armen“ und Kranken. Ebenso wie durch eine Stiftung, mit der sie Studenten förderte. Da ihre Schwiegertochter geisteskrank ausfiel, erzog sie ab 1732 den späteren Großherzog Karl Friedrich und dessen Bruder. Während des polnischen Erbfolgekrieges harrte sie mit den Enkeln in Durlach aus, während Karl Wilhelm in das sichere Basel flüchtete. Dank kluger Verhandlungen schaffte sie es, die Kriegslasten bei Konfliktende zu mindern. Nach dem Tod Karl Wilhelms 1738 regierte sie mit Markgraf Karl August vormundschaftlich für den  jungen Enkel. Bestattet wurde sie in der Pforzheimer Schlosskirche, wo sich auch das Herz ihres Gatten findet. -cal-

 
 

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