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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 10. November 2017

Stimmen aus dem Gemeinderat: GRÜNE: Ist die neue Rheinbrücke noch aufzuhalten?

Johannes Honné, Vorsitzender GRÜNE-Fraktion

Johannes Honné, Vorsitzender GRÜNE-Fraktion

 

Das Regierungspräsidium hat die Planfeststellung der sogenannten zweiten Rheinbrücke veröffentlicht. Die Zufahrten würden erheblich in die Auengebiete beidseits des Rheins eingreifen, wichtige Natur- und Erholungslandschaft entwerten und zusätzlichen Verkehr nach Karlsruhe leiten.

Nun laufen die Gegenaktionen auf Hochtouren: Der BUND lässt prüfen, auf welche Punkte er sich als Umweltverband bei einer Klage stützen kann, und sammelt Spenden. Der Gemeinderat hat beschlossen, dass die Stadtverwaltung eine Klage gegen das Vorhaben einlegen kann, um die Frist zu wahren. Jetzt kann in Ruhe überlegt werden, wo juristische Ansätze Erfolg versprechen.

In der Vorbereitung wurde allerdings bereits bekannt, dass die Stadt in wesentlichen Aspekten nicht klageberechtigt ist, insbesondere beim Naturschutz. Auch beim Verkehr ist es paradox: Die zweite Rheinbrücke würde zusätzlichen Autoverkehr direkt auf die Südtangente bringen, wo bereits jetzt die Engstelle ist. Verkehrlich macht diese Planung keinen Sinn, außer falls die bisherige Rheinbrücke ausfällt. Das wird aber eher unwahrscheinlicher angesichts der Sanierung, die nächstes Jahr beginnt. Auch der Radverkehr wird massiv behindert: Weil der zusätzliche Verkehr zweispurig in die Südtangente fahren soll, wird der Radweg auf einer Straßenseite ganz gesperrt, auf der anderen in weitem Umweg um das sogenannte Ölkreuz geführt.

Die zusätzliche Brücke erhöht zudem den Druck auf eine Anbindung an die B 36, die derzeit geplant wird. Sie würde weitere wertvolle Grünflächen entwerten, Knielingen noch enger in die Lärmzange aus Straßen nehmen und Neureut mit zusätzlichem Verkehr belasten. Zugleich wäre das der Einstieg in die Nordtangente. Dass das Mittelstück der Nordtangente derzeit offiziell aus den Plänen entfernt wird, beruhigt uns nicht, denn es könnte jederzeit wieder aufgenommen werden. Und eine „Tangente" wäre diese Straße quer durch die nördlichen Stadtgebiete eben keinesfalls. Während anderswo Ortsumfahrungen gebaut werden, soll bei uns zusätzlicher Verkehr durch die Stadt geführt werden. Vor allem die zusätzlichen zu erwartenden Fernlaster bedeuten eine starke Lärm- und Abgasbelastung.
Würde wenigstens die Südtangente entlastet? Alle städtischen Gutachten sagen diesen Effekt als marginal voraus - der Unterschied wäre selbst bei durchgehender Nordtangente nicht hörbar.

Dabei könnte es so einfach sein: Wenn einige hundert PendlerInnen aus der Pfalz auf die Bahn umsteigen, würde der Verkehr auf der bestehenden Brücke immer fließen.

Johannes Honné
Vorsitzender GRÜNE-Fraktion

 
 

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