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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 24. November 2017

Gemeinderat: Letzte Frist bis Juni

WOHIN STEUERT DIE MAJOLIKA? Im Sommer folgt die Entscheidung. Foto: Fränkle

WOHIN STEUERT DIE MAJOLIKA? Im Sommer folgt die Entscheidung. Foto: Fränkle

 

Majolika: Zuschuss fließt / Zukunft weiter unsicher

Die Hängepartie dauert an: Vor gut einem Jahr hatte der Gemeinderat bereits um die Rettung der Staatlichen Majolika gerungen und den Zuschuss von 300.000 Euro für 2018 mit einem Sperrvermerk versehen. Die damals an den Wirtschaftsplan geknüpften Bedingungen betrachtete die Ratsmehrheit bei 33 Ja- und acht Gegenstimmen sowie drei Enthaltungen nun „im Wesentlichen“ als erfüllt.

Das Geld fließt also. Weniger überzeugend bleibe aber das Konzept zur Fortführung der Manufaktur als internationales Keramikzentrum. Bis Juni läuft die letzte Frist, dann fällt die Entscheidung über deren Zukunft. Noch immer könne nicht plausibel dargelegt werden, wie sich „signifikante Deckungsbeiträge“ erwirtschaften ließen, war nicht nur Grundtenor der Verwaltungsvorlage, sondern auch der Diskussion im Plenum. Allseits mit Lob bedacht wurden hingegen vielerlei Verbesserungen bei der Werbung um Kunden und Märkte, darunter die Kooperation mit der Hochschule für Gestaltung und das Projekt „Majolika 4.0“, das digitale Produktions- und Betriebsformen etabliert. Auch lassen sich neuerdings Objekte am Computer selbst gestalten, Direktbestellung inklusive.

Die Majolika habe ihre Hausaufgaben gemacht, deshalb war die Freigabe der Mittel für Dr. Albert Käuflein (CDU) selbstverständlich und „eine Frage der Berechenbarkeit und Verlässlichkeit von Politik“. Im Sommer werde dann zu prüfen sein, ob und zu welchem Preis es weitergehe. Wesentliches habe sich binnen Jahresfrist nicht geändert, sah Elke Ernemann (SPD) das Traditionsunternehmen bei seinem Aufbruch in die Moderne dennoch „auf dem richtigen Weg“. Sorgen bereiteten der Stadträtin die ausbleibenden Großaufträge. Die Geschäftsführung sei „rührig“ erkannte auch Dr. Ute Leidig (GRÜNE) an, verwies aber auf offene Fragen und Unwägbarkeiten. Allein seit 2011 seien 1,3 Millionen Euro investiert worden. So sehr sie es bedaure, „die Majolika ist als Wirtschaftsunternehmen nicht tragfähig“, eine Subventionierung auf Dauer nicht leistbar.

KULT-Stadtrat Michael Haug nahm das Land in die Pflicht. Ebenso FDP-Stadtrat Thomas Hock. „Wir werden die Majolika nicht sterben lassen“ versprach dieser und warnte davor, sich weiter „in die Tasche zu lügen“. Würde sie als Kultureinrichtung gewertet, sähe alles ganz anders aus. AfD-Stadtrat Dr. Paul Schmidt bezeichnete die Manufaktur als „Teil unseres kulturellen Erbes, der Identität dieser Stadt“. All dies dürfe nicht „für eine relativ geringe Summe“ geopfert werden. Die Krise dauere an und „ob das Konzept greift, wissen wir nicht“, war GfK-Stadtrat Friedemann Kalmbach skeptisch. Er wolle alles tun, der Majolika eine Zukunft zu ermöglichen, sicherte Jürgen Wenzel (FW) zu. -maf-

 
 

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