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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 1. Dezember 2017

Stadtgeschichte: Wladimir von Zabotin starb vor 50 Jahren in Karlsruhe

Waldimir von Zabotin sitzt inmitten der Jury der Deutschen Kunstausstellung 1923 in Karlsruhe. Foto: Stadtarchiv

Waldimir von Zabotin sitzt inmitten der Jury der Deutschen Kunstausstellung 1923 in Karlsruhe. Foto: Stadtarchiv

 

Er malte leidenschaftlich, wollte zeitgemäße Kunst schaffen, die aber gleichzeitig in die Zukunft wies, hielt nichts von Dogmen oder stilistischer Einseitigkeit. Der Russe mit amerikanischem Pass und Karlsruher Wahlheimat, Wladimir von Zabotin, starb vor 50 Jahren am 19. November 1967 im Alter von 83 Jahren.

Langsam, diszipliniert, kontinuierlich  und handwerklich gewissenhaft schaffend, ging es dem Schüler Wilhelm Trübners um künstlerische Geschlossenheit in Porträts, Akten, Stillleben oder Landschaften: „Gegenstand oder nicht Gegenstand, letzten Endes geht es um jeden Fleck im Bild“, war sein Credo. Ob er sich  realistisch, impressionistisch, abstrakt oder expressiv ausdrückte. Der Erfolg blieb für den 1884 in der Ukraine als adligen Gutsbesitzersohn  geboren Künstler nicht aus. In Kiew und Karlsruhe hatte er zuerst Architektur studiert, dann an der Kunstakademie Malerei.

Im Ersten Weltkrieg als Russe in Donaueschingen interniert, kam er dank einer  Bürgschaft Trübners frei, flüchtete 1939 vor den Nazis zunächst nach Italien,  1944 nach New York, wo er sich einbürgern ließ, aber nicht heimisch wurde.  1955 kehrte  er  schließlich über Frankfurt nach Karlsruhe zurück. Bereits in den 1920er-Jahren hatte  Zabotin, der 1919 etwa mit Rudolf Schlichter und Georg Scholz die Gruppe „Rih“ gegründet hatte, nach der heute noch das Café im Kunstverein benannt ist, dank vieler  Ausstellungsbeteiligungen und Museumsankäufe zu den führenden Porträtisten in Südwestdeutschland gezählt. Von seiner Kunst zeugt etwa das Bild „Mädchen im Spiegel“ in der Kunsthalle. Zabotin stellte  1923 in der Großen Deutschen Kunstausstellung in Karlsruhe aus, 1926 in Darmstadt, danach in Frankfurt, Mannheim und der Badischen Sezession. 1930 erhielt er den Badischen Staatspreis. Nach dem Krieg zutiefst verunsichert, fand er erst ab 1947 wieder zu seiner Kunst. Im Atelier,  Amalienstraße 36, malte der zweimal Verheiratete und Vater von zwei Kindern bis zuletzt gegenständlich und abstrakt. -cal-

 
 

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