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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 8. Dezember 2017

Glockenguss: Wenn 100 Grad Celsius fehlen

DEN KLÖPPEL FÜR die Mannheimer Ökumene-Glocke schmiedete die Pfinztaler Edelstahlschmiede Rosswag vor den Augen der Zuschauer direkt auf dem Karlsruher Schlossplatz. Foto: Fränkle

DEN KLÖPPEL FÜR die Mannheimer Ökumene-Glocke schmiedete die Pfinztaler Edelstahlschmiede Rosswag vor den Augen der Zuschauer direkt auf dem Karlsruher Schlossplatz. Foto: Fränkle

 

Defekter Gasofen lässt Glockenguss vor dem Karlsruher Schloss platzen

Eine oberirdische „Giesgrube“ direkt vor dem Karlsruher Schloss wartete am 1. Dezember auf 230 Kilogramm glühendheiße Glockenbronze. Aus der goldenen Masse hätte unter freiem Himmel eine 130 Kilogramm schwere Glocke mit 61 Zentimetern Durchmesser für eine ökumenisch genutzte Kirche der St. Pius- und Thomasgemeinde in Mannheim entstehen sollen - gegossen von der Traditionsgießerei Bachert aus Grünwinkel und begleitet von einem Bläserensemble, Adventsliedern sowie rund 1.500 Zuschauern.

Das spektakuläre Projekt begleitete die Eröffnung der in Baden entwickelten bundesweiten ökumenischen Kampagne unter dem Motto „Hörst Du nicht die Glocken", für die der evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh und der frühere katholische Erzbischof Robert Zollitsch zuvor in der katholischen Stadtkirche St. Stephan ein ökumenisches Stundengebet gefeiert hatten.

Ein nicht zu behebender Defekt am Gasofen verhinderte jedoch, dass die Bronzelegierung die nötige Hitze von 1.100 Grad Celsius erreichte - mit „nur“ knapp 1.000 Grad Celsius musste der Glockenguss abgebrochen werden. Die geplante Glocke wird nun im Betrieb in Grünwinkel gegossen. Für die seit 1725 bestehende Gießerei Bachert wäre das öffentliche Spektakel ein besonderer Abschluss ihrer Tätigkeit in der Fächerstadt gewesen, denn der Betrieb zieht nach Neunkirchen bei Heidelberg um.

Aus der Gießerei stammen etwa die größte Glocke Baden-Württembergs in der Karlsruher Christuskirche sowie Glocken für den Hamburger Michel und die Dresdner Frauenkirche.

Indes mussten die Besucher auf dem Schlossplatz zwar auf den Guss verzichten, konnten jedoch der Edelstahlschmiede Rosswag aus Pfinztal beim Schmieden des Glockenklöppels zusehen. -bea-

 
 

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