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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. Dezember 2017

Kultur: Stadtgeschichte lebendig halten

ROBERT SINNER (2.v.l.) erläutert OB Mentrup Objekte, die für die Produkte des nahrungs- und Genussmittelunternehmens Sinner stehen, allen voran solche für die Bierproduktion. Foto: Fränkle

ROBERT SINNER (2.v.l.) erläutert OB Mentrup Objekte, die für die Produkte des nahrungs- und Genussmittelunternehmens Sinner stehen, allen voran solche für die Bierproduktion. Foto: Fränkle

 

Familie Sinner übergibt Nachlass / Stadt wünscht sich mehr historische Zeugnisse

Selbstbewusst, streng, beinahe majestätisch schaut Kommerzienrat Dr. Robert L. Sinner (1850 bis 1932) aus seinem zuklappbaren Portrait. Verziert ist es ist mit einem üppigen historistischen, wappengekrönten Rahmen. Und symbolisiert so die Bedeutung des Firmenpatriarchen, nach dem in Grünwinkel ein Platz benannt ist.

Sinner war bis zur Übernahme durch die Brauerei Moninger 1972 eines der größten Unternehmen der Nahrungs- und Genussmittelindustrie in Karlsruhe. 1922 hatte es über 1550 Beschäftigte, reichte bis Mailand, Danzig oder Mannheim, im- und exportierte auf eigenen Schiffen und Waggons Roh- und Endprodukte wie Bier, Liköre, Hefe, Pudding, Backpulver, Suppenwürze, Marmelade oder  Haferflocken.

Von einstiger Größe zeugen in Grünwinkel noch das Getreidesilo, das Mühlengebäude oder die Villa. Die Nachfahren Robert und Felicitas Sinner  schenkten nun der Stadt Gemälde, Fotoalben, Möbel und Firmenzeugnisse. Sie „werden für die Ewigkeit gesichert“, versprach Archivchef Dr. Ernst Otto Bräunche.

Und sind jetzt teilweise im Stadtmuseum  zu sehen. OB Dr. Frank Mentrup freute sich, dass so „ein Stück Stadtgeschichte in die Sammlung kommt und Karlsruhes Bedeutung als Industriestadt bewusst wird“. Gleichzeitig sind die Sinners „die erste Pilotfamilie“, um dafür zu werben, „dass weitere Familien, Persönlichkeiten und Erben der Stadt solche Nachlässe geben, um die Stadtgeschichte lebendig zu halten“.

Mentrup wünscht sich, dass künftig auch bei Wohnungsauflösungen nichts historisch Wertvolles mehr  „verloren geht“. Dafür habe das Stadtarchiv (Telefon 133-4225, E-Mail: archiv@kultur.karlsruhe.de) jederzeit offene Ohren. „Werbung machen“, will auch Robert Sinner. Zudem stellte  er nach Sichtung  des gesamten Nachlasses seiner Mutter Liesel weitere Stücke in Aussicht. Etwa sorgfältig gezeichnete Stammbäume, die bis ins 13. Jahrhundert zurück reichen oder Schriftverkehr. Hier interessierte sich der OB für Dokumente über Produktions- und Handelsprozesse.

Ausgestellt sind Bilder des Gründers Anton, seines Sohnes Georg, dessen Gattin Karolin, der Großmutter Dora und ihrer beiden Männer Robert und Rudolf oder das Beerdigungsalbum von dessen Schwester Luise. Von der Produktpalette zeugen ein Werbeplakat für „Edel-Pils“, das Bier-Thermometer, eine Kristallflasche für Kognak oder Handtücher mit dem Aufdruck „Sinner-Hefe. Die Schau endet am 28. Februar, an dem  Robert Sinner um 18 Uhr beim historischen Mittwochabend in das Stadtmuseum kommt. -cal-

 
 

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