Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 29. Dezember 2017

Klimaschutzkonzept: Die Richtung ändern

 

Ziele zum Endenergieverbrauch nicht erreicht: Plenum billigte Fortschreibung des Klimaschutzkonzepts

Mit 41 Ja- und drei Neinstimmen beauftragte der Gemeinderat auf seiner jüngsten Plenarsitzung nach engagierter Diskussion die Verwaltung mit der Fortschreibung des Karlsruher Klimakonzeptes. Nach acht Jahren sind Weiterentwicklung und strategische Neuausrichtung der Klimaschutzarbeit geplant.

Notwendig ist das, weil die anvisierten Ziele zur Senkung des Endenergieverbrauchs nicht erreicht werden und generell die weitere Entwicklung bei der Reduktion der CO2-Emissionen unsicher ist.

Gedacht ist unter Einbindung von Akteuren und der Bürgerschaft an einen reduzierten Fahrplan mit konkreten Maßnahmen, realisierbar bis 2025/2030, samt "Preisschild", also Aussagen zu Kosten, Personalaufwand und prognostizierten Energieeinsparungen. Entstehen soll außerdem ein Energieleitplan auf der Basis eines geografischen Informationssystems (GIS) um Grundlageninformationen für energetische Fragestellungen der Stadtentwicklung bereit zu stellen. Hierfür werden externe Experten hinzugezogen.

In der Diskussion bezeichnete Stadtrat Stefan Schmitt (parteilos) das Vorhaben als "Zäsur". Die Neuausrichtung sei erforderlich, "weil alles, was gemacht wurde, nichts gebracht hat". Von 1990 bis 2009 habe es eine Senkung von CO2 gegeben, seit der Energiewende 2010 stiegen die Werte wieder. Bis 2009 sei Energiesparen freiwillig gewesen, geändert habe sich das mit der Einführung von CO2-Zertifikaten und der EEG-Umlage, letztere werde mit "formaljuristischen Tricks" von Firmen umgangen. Der Austausch von privaten Heizungsanlagen sei zum Erliegen gekommen, der Druck auf Hauseigentümer gestiegen. Hauptverursacher des Anstiegs seien zu 50 Prozent Energieerzeuger, zu 20 der Verkehr, 15 Industrie und nur zu zehn Prozent Hauseigentümer, kommunale Ergebnisse nur "ein Tropfen auf heißem Stein". Es gelte nun, Vertrauen bei den Eigentümern zurück zu gewinnen. Dem stimmte Stadtrat Dr. Paul Schmidt (AfD) zu. Man könne jetzt nicht "ein noch mehr Weiter so" wollen, Deutschland halte sich für den Musterschüler in Sachen CO"-Einsparung, dabei gebe es seit 2009 keine mehr. Das müsse man eingestehen. Ursache sei auch das Abschalten von Kernkraftwerken und der Ersatz durch Kohlekraftwerke. Der Fortschreibung stimmte Stadträtin Karin Wiedemann (CDU) zu, man habe unter "Vorbehalt der städtischen Mittel viele Wünsche, ob sie in Erfüllung gehen, wird man sehen". Noch sei es möglich, der Bedrohung des Weltklimas durch Treibhausgase Einhalt zu gebieten, gab Stadträtin Sibel Habibović das O.K. der SPD-Fraktion. Auch wenn man das 222-Ziel, jährlich 1,8, insgesamt 23 Prozent-CO2 zu reduzieren verfehlt habe. Karlsruhe sei gut aufgestellt, auch in internationalen Klimaschutzprojekten mit Partnerstädten. Im Vordergrund dürfe nicht Kostenreduktion stehen, "sondern die Stärkung des Vorhandenen mit allen Akteuren und Bürgern. Das Verfehlen der Klimaziele "ist fatal und deshalb müssen wir dringend jetzt etwas tun", befürwortete Stadträtin Zoe Mayer (GRÜNE) das Bemühen, weiterhin nach 2050 die klimaneutrale Kommune anzustreben. Erfolge würden durch das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum aufgefressen. Gut fand sie die Bürger und Jugendbeteiligung, Zwischenziele mit "anständigem Monitoring" und das GIS-Infosystem. Klimaschutz sei "essentiell, nicht "nice to have", konstatierte Stadtrat Erik Wohlfeil (KULT), kritisierte den "Ist-Zustand", auch wegen zunehmender Autozahlen und schlug vor, die "Emissionsminderung durch Maßnahmen verstärken, die auch in den Lebensstil der Menschen einschneiden". Nach "konkreten Projekten suchen, die etwas bringen", wollte Stadtrat Tom Høyem (FDP). Auch wenn es begrenzt sei, was man auf lokaler Ebene erreichen könne, stimmte er zu. Zu "der "anspruchsvollen Aufgabe" stand Bürgermeister Klaus Stapf. Bei den Zielen liege man nur beim Energieverbrauch zurück, habe aber etwa den Anteil der erneuerbaren Energien um 20 Prozent gesteigert und eine deutliche Reduktion pro Kopf erreicht. Es gebe viele engagierte Menschen, jetzt brache es eine effiziente Richtungsänderung. -cal-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe