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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 17. Februar 2017

Drogenhilfe: Substituierte Menschen werden älter

Gesamtkonzeption zu Bedarf und Betreuung vorgestellt

Der demografische Wandel umfasst alle Schichten und Gruppen der Gesellschaft. In Karlsruhe und im Landkreis erreichen auch die drogenabhängigen Menschen, die an der im Jahre 1995 eingeführten Substitutionsbehandlung teilnehmen, ein höheres Lebensalter.

Dies zeigte nicht zuletzt eine von der Drogenhilfe Karlsruhe durchgeführte Erhebung. Danach sind bereits 350 der insgesamt 630 Frauen und Männer aus Stadt- und Landkreis, die sich in einer Substitutionsbehandlung befinden (Stand August 2016), über 40 Jahre alt, von denen wiederum über 150 älter als 50 Jahre. Viele von ihnen leiden unter schweren psychischen und physischen Erkrankungen und zeigen darüber hinaus erste alterstypische Beschwerden und Beeinträchtigungen, denn Menschen mit „Drogenkarriere“ altern durch ihre Erkrankung und Lebensführung zehn bis 15 Jahre früher als die „Normalbevölkerung“. Nach den Erfahrungen von substituierenden Ärztinnen und Ärzten sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern besteht bei 44 Personen bereits heute erheblicher Betreuungsaufwand und Pflegebedarf, 54 weitere werden beides in naher Zukunft haben. Tendenz steigend.

Diesem früher eher unbekannten Bedarf will die Umsetzung eines von der Drogenberatung und Suchthilfe der Stadt Karlsruhe erarbeiteten Rahmenplans gerecht werden. Die drei Säulen dieser „Gesamtkonzeption für substituierte Menschen mit Betreuungsbedarf in Stadt- und Landkreis“ stellte die städtische Drogenbeauftragte Cordula Sailer jetzt den Mitgliedern der Jugendhilfe- und Sozialausschüsse von Stadt und Landkreis vor, die in der vergangenen Woche gemeinsam im Karlsruher Rathaus unter Vorsitz von Bürgermeister Dr. Martin Lenz und dem Ersten Landesbeamten Knut Bühler tagten.

Als erstes Glied in der dem jeweiligen Bedarf angepassten Betreuungskette sieht die Konzeption das ambulant betreute Wohnen in der eigenen Wohnung vor. Dieses Angebot richtet sich an diejenigen, die zwar in eigener Wohnung leben, aber Unterstützung bei Versorgung und Lebensführung brauchen.

Isolation entgegenwirken

Der nächste Baustein des Konzepts umfasst die Möglichkeit des Lebens in ambulant betreuten Wohngemeinschaften und soll der Vereinsamung und Isolation derjenigen entgegenwirken, die mehr Hilfe und intensivere Betreuung benötigen. Das dritte Element besteht in der Aufnahme in eine stationäre Pflegeinrichtung, die auf die speziellen Erfordernisse dieser Menschen und deren Bedarfe eingehen kann.
Sämtliche Einrichtungen der Gesamtkonzeption kooperieren miteinander, sind darüber hinaus in regelmäßigem Austausch mit anderen zuständigen Partnern und Gremien. Aufbau und konkrete Umsetzung der jeweils freiwilligen Angebote liegt in der Verantwortung des jeweiligen Trägers. Die städtische Drogenhilfe ist dazu bereits in konkreten Gesprächen mit Trägern und Einrichtungen. -trö-

 
 

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