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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 19. Januar 2018

Kultur: Das Leben genossen

DAS ALTE EHEPAAR auf einem Urnendeckel weist auf Jenseitshoffnung  und weibliche Emanzipation. Foto: BLM

DAS ALTE EHEPAAR auf einem Urnendeckel weist auf Jenseitshoffnung und weibliche Emanzipation. Foto: BLM

 

BLM beleuchtet bis Mitte Juni etruskische Weltkultur mit spektakulären Exponaten

Kunstsinnig, außerdem lebensfroh und äußerst innovativ erscheinen die Etrusker. Das Badische Landesmuseum, seit langem im Besitz etruskischer Kunst, widmet ihnen bis 17. Juni die Landesausstellung „Die Etrusker- Weltkultur im antiken Italien“.

Als erste deutsche Schau über die früheste und bis heute nachwirkende Hochkultur zwischen dem heutigen Florenz und Paestum vom 9. bis 1. Jahrhundert vor Christus, entstand sie zusammen mit dortigen Kulturbehörden. Was sich in rund 400 hochkarätigen Objekten, überwiegend aus italienischen Museen, niederschlägt. Darunter finden sich „Ikonen“ wie der einst mit vergoldeter Bronze überzogene hölzerne Kopf der Ati Velaruna samt Gewandnadel (Fibel) mit winzigen, in Mustern aufgelöteten Goldkügelchen (Granulation) und Teile des Grabinventars der Tomba Bernadini mit Pracht-Goldfibel, auf der plastische Tiere in Reih und Glied stehen.

Ebenso die älteste (Grab-) Skulptur Italiens, oder das Weinmischgefäß des Aristhonothos. Es belegt mit Bildern von Seekampf und Blendung des Polyphem durch Odysseus griechischen Einfluss. Grundstücksverhandlungen auf der bronzenen „Tabula Cortonensis“ zeugen vom etruskischen „Rechtsstaat“, der tuscanische Tarchonspiegel mit Leberschau auf tiefe Gläubigkeit und schließlich die lebensgroße Statue des Avle Meteli auf das Aufgehen der etruskischen Kultur in der römischen. Zeitlos wie von Giacometti erscheint der „Abendschatten“ aus Volterra, eine extrem lange männliche Opfer- (Votiv-) Figur aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert.

Grundlage der in ihrer Offenheit modernen und so auch heute wegweisenden Kultur bildeten eine üppige Flora und Fauna sowie reiche Bodenschätze wie Eisenerz, Kupfer oder Blei. Letztere waren im sich schon früh international entwickelndem Handel zwischen Griechen, Phöniziern und Kelten ebenso gefragt wie daraus hergestellte, oft mit Figürchen geschmückte Gegenstände, etwa Kandelaber, Schüsseln oder Kosmetikbehälter (Cisten). Folge war ein lebhafter Austausch von Waren, Ideen und Technologien, aus dem die Etrusker stets neue Ideen aufsogen, ihren eigenen Stil entwickelten und zur lange führenden Seemacht wurden.

Importierte Luxusgüter wie eine ägyptische Neujahrsflasche oder rot- und schwarzfigurige griechische Gefäße schmückten ihre Häuser. Wahrscheinlich aus lokalen Stämmen samt Einwanderern entstanden, bleibt ihre Sprache, von der nur rund 600 Worte übersetzt sind wie ihr Selbstverständnis rätselhaft. Es fehlen erklärende Texte. Vieles wird aber aus Gräbern deutlisch, von denen in der Schau eine begehbare Hügelgrab-Inszenierung samt Modell und die originalen Steinplatten eines reich bemalten Kammergrabs aus Tarquinia zeugen.

Grabinventare lassen mit Bronze- und Goldschmuck, handaufgebauter Impasto-Keramik, späterer optisch metallen erscheinender Luxus-Bucchero-Keramik, Rüstungen oder Grillgeschirr Rückschlüsse auf überwiegend begütertes weibliches und männliches Leben, zunächst in Dörfern, später in wohlhabenden Stadtstaaten zu. Wandmalereien zeigen üppige Gelage mit Musik und Tanz, mit denen Verstorbene von ihren Ahnen im Jenseits begrüßt wurden. Für ihre teilweise von den Römern übernommene Religion, deren Götter manchen griechischen entsprechen und die Zukunft und Götterwille mit Hilfe von Blitzdeutung, Eingeweide- oder Leberschau herausfinden wollte, stehen ein Seherstab, die Kopie der berühmten Bronzeleber von Piacenza mit Götteruniversum, Votivgaben oder die von allen Ausstellungsplakaten lächelnde Firststatue des Tempels von Veji: der Götterboten Turms (Hermes). (www.landesmuseum de, Katalog vor Ort 29.90 Euro). -cal-

 
 

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