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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 9. März 2018

Karlsruher Gespräche: Als Stadt smart sein

DISKUTIERTEN SMART CITY der Zukunft, ihre Vorteile und Gefahren (von links): Bürgermeister Albert Käuflein, Professorin Caroline Robertson-von Trotha (ZAK) und der britische Historiker Leo Hollis. Foto: Knopf

DISKUTIERTEN SMART CITY der Zukunft, ihre Vorteile und Gefahren (von links): Bürgermeister Albert Käuflein, Professorin Caroline Robertson-von Trotha (ZAK) und der britische Historiker Leo Hollis. Foto: Knopf

 

Wandel, Autonomie, Teilhabe bei und mit Digitalisierung

Den großen Themen ihrer Zeit widmen sich traditionell die „Karlsruher Gespräche“. Organisiert vom Zentrum für angewandte Kulturwissenschaft (ZAK) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) stand das 22. Forum unter dem Slogan „Die künstlich intelligente Stadt“.

Drei Tage diskutierten Stadtplaner und Kulturschaffende über Herausforderungen und Chancen der „Smart Cities“. Begrüßt wurden die Interessierten im KIT-Audimax von Professor Alexander Wanner (KIT-Vizepräsident) und Karlsruhes Bürgermeister Dr. Albert Käuflein. Die Fächerstadt als IT-Hochburg biete mit ihrer ausgeprägten Hochschullandschaft und den Forschungseinrichtungen einen optimalen Nährboden für eine smarte und digitale Stadt, betonte Käuflein. Bereits 2010 habe die städtische Wirtschaftsförderung die Initiative „Smarter City Karlsruhe“ angestoßen. Als Beispiel hob der Bürgermeister das Testfeld Autonomes Fahren hervor. Aber: „Die Visionen für künstlich intelligente Städte gehen noch viel weiter.“ Käuflein nannte Bewegungs- und Einkaufsprofile von Amazon oder Ebay. Gerade unter solchen Aspekten sei eine Abschätzung der Folgen eine gesellschaftliche Aufgabe, um Fehlentwicklungen zu vermeiden.

„Städte stehen vor enormen Transformationsprozessen. Nachhaltigkeit, Partizipation, Digitalisierung und künstliche Intelligenz – das sind Begriffe, die die Stadt der Zukunft prägen“, erklärte die wissenschaftliche Leiterin der Veranstaltung, Prof. Caroline Robertson-von-Trotha (ZAK), und zu deren Intention: „Wir möchten die vielfältigen Aspekte des Smart-City-Konzepts interdisziplinär und kontrovers diskutieren. Ziel ist es, festgefahrene Denkweisen infrage zu stellen und durch Anregungen zum Dialog die Suche nach neuen Wegen zu fördern.“

Interessant und wichtig war auch der Vortrag „Wem gehört die Smart City? Die vernetzte Stadt als Bedrohung der Demokratie“ von Leo Hollis. Der britische Historiker warf ein, ob die „Smart City“ nicht für mehr Technokratie statt Partizipation sorge, warnte vor der Macht der Algorithmen. Man solle den Silicon-Valley-Konsens hinterfragen, auch mal „Maschinenstürmer“ spielen. Er skizzierte Litfaßsäulen von Yahoo, die Passanten-Daten sammeln, oder Kameras, die Emotionen über Gesichtsausdrücke auswerten (etwa im Handel). „Was ist, wenn ein autonom fahrendes Fahrzeug einen Menschen überfährt. Verklagen wir dann die Algorithmen? Es wird gefährlich, wenn der Glaube an Daten alles andere Wissen dominiert.“ Man müsse jetzt Grenzen setzen, sonst sei George Orwell („1984“, Fiktion des totalen Überwachungsstaats) nicht weit entfernt, konstatierte Hollis.

Digitales und Ethik im Fokus

In Workshops, Filmbeiträgen Podiumsdebatten und Symposien ging es beim Forum „Karlsruher Gespräche“ von Freitag bis Sonntag darum, wie die vernetzte Stadt der Zukunft gestaltet werden kann. Wie sind technologiegestützte Konzepte mit urbanen Strukturen vereinbar – und wie sieht dies unter demokratietheoretischen Aspekten aus? Was ist mit dem Thema Datenschutz in Zeiten von „Big Data“. Die internationale Denkfabrik lebte unter anderem vor allem von spannenden Vorträgen: „Ethos statt Algorithmus“, „Wie demokratisch ist die Smart City?“, „Führt die Smart City zu mehr Lebensqualität?“.

Auch der kulturelle Aspekt kam nicht zu kurz. So wurde im Badischen Staatstheater das Stück „Angriff auf die Freiheit“ aufgeführt, zudem gab es dort eine Lesung. In der Schauburg ging eine arte-Filmnacht zum Thema über die Bühne. Interdisziplinär, wie gewohnt auf hohem Niveau und sehr erkenntnisreich diskutierten Experten und Bürger auch bei den 22. Karlsruher Gesprächen. Dieses Jahr über Fundamente und mögliche Entwicklungen der (künstlich) intelligenten Stadt.
-voko-

 
 

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