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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. März 2018

Sprachförderung: Pionierleistung für Gerechtigkeit

iq

PODIUMSDEBATTE: Bürgermeister Lenz (am Mikro) erörterte mit verschiedenen Fachleuten die Förderung der Bildungschancen junger Migranten. Ein Bericht mit vielen Daten lieferte die Basis. Foto: Knopf

PODIUMSDEBATTE: Bürgermeister Lenz (am Mikro) erörterte mit verschiedenen Fachleuten die Förderung der Bildungschancen junger Migranten. Ein Bericht mit vielen Daten lieferte die Basis. Foto: Knopf

 

Empirische Dokumentation „Migration und Bildung“ beleuchtet / Experten analysieren Schul- und Sprachperspektiven / Kommunale Förderprojekte

„Schule in der Zuwanderungsgesellschaft – Bildungschancen für alle“ hieß kürzlich eine gute besuchte Fachveranstaltung im Karl-Benz-Saal der Europahalle. Anhand so erstmals erarbeiteter empirischer Daten erörterten Referenten die Bildungsteilhabe von Migranten im Land und diskutierten kommunale Strategien zur Förderung.

„Dies ist eine echte Pionierleistung, bei dem Wissen mit der kommunalen Perspektive verknüpft wird mit dem Ziel für mehr Bildungsgerechtigkeit“, sagte eingangs Bürgermeister Martin Lenz. Daniela Krämer vom Landesinstitut für Schul-entwicklung stellte den Bericht „Migration und Bildung“ vor. Sie erläuterte, dass Migration der Normalfall sei und nicht die Aus-nahme. Krämer nannte als Beispie-le die Gastarbeiter der Sechziger, die Spätaussiedler oder die Geflüchteten des Jugoslawien-Kriegs. Man solle Zuwanderung als Chance in Zeiten des demografischen Wandels sehen. Generell tendierten junge Menschen mit Migrationshintergrund zu unteren und mittleren Schulabschlüssen. In Karlsruhe sei die Quote der Schüler mit Migrationshintergrund, die auf das Gymnasium wechseln mit 50 Prozent höher als im Land (34 Prozent). Das liege unter anderem daran, dass die Universitätsstadt mit ihren Forschungseinrichtungen viele Akademiker anziehe, deren Kinder das Gymnasium besuchen.

Die städtische Integrationsbeauftragte Meri Uhlig betonte, dass Integration ein dauerhafter Prozess sei. Gerade der Integrationsplan lege den Fokus auf Bildung und Sprachkompetenz. Man müsse früh in Kindergärten und Kitas ansetzen. Ob Elterncafé, Hausaufgabenbetreuung, Sprachkurse oder Theaterprojekte – „das System muss überlegen, wie wir Menschen in ihrer Vielfältigkeit integrieren“, befand Uhlig. Über Vorbereitungsklassen zur Förderung junger Migranten sprach Johanna Hopfengärtner, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte. Dabei empfahl sie mehr strategische Begleitung, damit die Jugendlichen ihre Bildungschancen besser wahrnehmen können. Prof. Dr. Havva Engin (Pädagogische Hochschule Heidelberg) erklärte, es sei wichtig, die Eltern in den Bildungsprozess zu integrieren – weit über den üblichen Elternabend hinaus. Sie berichtete unter anderem über Armutsgefährdung von Migranten. Es sei ein komplexer Weg zu mehr Chancengerechtigkeit. Programme wie die „Weinheimer Bildungskette“ seien hilfreich. Anschließend wurde bei einer Diskussion, an der neben den Referenten die Leiter des Schul- und Sportamts (SuS) sowie des Staatlichen Schulamts, Joachim Frisch und Elisabeth Groß, teilnahmen, das vorgetragene Wissen vertieft.

So fand das IQ-Leitprojekt „Teilhabe durch Sprachförderung“ des Büros für Integration und des SuS seinen Auftakt im Rahmen des IQ-Korridorthemas Soziale Stadt. IQ steht für innovativ und quer als projektorientierte Arbeitsweise zur Vernetzung über Fach- und Hierarchiegrenzen hinweg. -voko-

 
 

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