Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 23. März 2018

Caritas: Tafeln zählen immer mehr Rentner

EIN MITARBEITER räumt Obst und Gemüse zum Kauf ein. Foto: Rueß

EIN MITARBEITER räumt Obst und Gemüse zum Kauf ein. Foto: Rueß

 

Bei Beiertheimer Tafel keine vergleichbare Situation wie in Stadt Essen / Caritas rechnet mit steigender Altersarmut

Wer weniger als 930 Euro im Monat zur Verfügung hat, kann einen Kundenausweis für die Beiertheimer Tafel bekommen. „Dies nutzen derzeit knapp 2.000 Personen, die etwa 1.000 zusätzliche Haushaltsmitglieder versorgen“, berichtet Hans-Gerd Köhler, Erster Vorstand des Caritasverbandes Karlsruhe, anlässlich des zu Ende gegangenen Geschäftsjahres der Tafel. Seit zwölf Jahren betreibt der Wohlfahrtsverband den Tafelladen in der südwestlich vom Bahnhof gelegenen Marie-Alexandra-Straße.

Hier hinein strömen täglich 250 Kundinnen und Kunden. „Das sind keine Almosenempfänger“, stellt Köhler klar. Wer in den Laden komme, solle mit dem Gefühl nach Hause gehen, eingekauft zu haben. „Deshalb ist es wichtig, dass der Preis stimmt“, erläutert auch Marktleiter Ronny Strobel. Und dieser liegt bei etwa zehn bis 30 Prozent des ursprünglichen Preises. Gespendet werden die Waren und Lebensmittel von derzeit 70 Discountern, Supermärkten und Bäckereien der Region – eine stabile Situation. Engpässe entstehen bei Molkereiprodukten, Babynahrung und Hygieneartikeln.

Was 2006 als kleine Tafel für die Kunden begonnen hat, ist mittlerweile ein kleines Logistikzentrum: Zwei hauptamtliche Marktleiter, 29 Mitarbeiter in Kooperation mit dem Jobcenter sowie 16 Ehrenamtliche halten den Laden am Laufen. Zu betreuen haben sie Bedürftige in prekären Lebenssituationen. „Zu unseren Kunden zählen immer mehr ältere Menschen“, berichtet Strobel. Jeder dritte Ausweis gehört zurzeit einem Menschen, dessen Rente nicht alle Lebenskosten decken kann. 2017 lag dieser Anteil noch bei 25 Prozent, 2016 sogar nur bei 21 Prozent. „Viele ältere Leute beziehen aus falscher Scham, aus Stolz oder aus Unwissen keine Grundsicherung, wenn die Rente nicht reicht“, erzählt Köhler.

Oft kommen sie daher auch nicht von selbst zur Tafel, sondern über Beratungsdienste. Bei der Beiertheimer Tafel rechnet man künftig mit einem Anstieg dieser Kundengruppe. Abgrenzen möchte man sich hingegen klar von der Entscheidung der Essener Tafel, die kürzlich mit einem Aufnahmestopp für Ausländer Aufsehen erregte. „Diesen Entschluss beurteilen wir als sehr unrühmlich“, so Köhler. Gleichzeitig betont er, dass in Karlsruhe keine vergleichbare Situation bestehe. Neben der Beiertheimer Tafel gibt es die Karlsruher und die Durlacher Tafel, die nicht in Konkurrenz zueinander arbeiten. Lebensmittel, die nicht verkauft werden, spenden die Tafeln an Tiergnadenhöfe, übrige Kleiderspenden werden an Obdachlose verteilt. Mehr Info gibt es auch online unter www.caritas-karlsruhe.de.

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe