Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 23. März 2018

Kultur: Herz und Mut gezeigt

WIDERSTAND: Käuflein, Angela Borgstedt, Prof. Dr. Reinhold Weber (Leiter der Schriftenreihe, v. l.) bei Buchpräsentation. Foto. Fränkle

WIDERSTAND: Käuflein, Angela Borgstedt, Prof. Dr. Reinhold Weber (Leiter der Schriftenreihe, v. l.) bei Buchpräsentation. Foto. Fränkle

 

Menschen aus dem Südwesten im NS-Widerstand

Als „Halbjüdin“ war Hannelore Hansch Schikanen des Regimes ausgesetzt, konnte etwa ihr Studium der evangelischen Theologie nicht beenden, musste 1938 ihren „arischen“ Mann wegen der NS-Rassengesetze im Ausland heiraten.

Trotz der Repressalien war der von ihr und ihrer Familie bewirtschaftete Rittnerthof in den Jahren der Gewaltherrschaft und des Zweiten Weltkriegs Treffpunkt für Mitglieder der „Bekennenden Kirche“ und für einen oppositionellen Gesprächskreis, der vorwiegend aus Juristen wie dem Durlacher Richter Gerhard Caemmerer bestand. Der Gutshof auf dem Turmberg war aber auch Zufluchtsort für rassisch Verfolgte. So versteckten Hannelore und ihre Ehemann Kurt Hansch 1943 zwei jüdische Frauen, die aus Berlin vor der Deportation in die Vernichtungslager des Ostens nach Baden geflüchtet waren.

Die Lebensgeschichte von Hannelore Hansch, die bis zu ihrem Tod 2007 auf dem Rittnerthof lebte, ist in einem soeben von der Landeszentrale für politische Bildung herausgegebenen Band über Menschen im deutschen Südwesten im Widerstand gegen den Nationalsozialismus nachzulesen. Das 525 Seiten starke Werk stellt unter dem Titel „Mut bewiesen“ 42 Biographien von Männern und Frauen aus dem heutigen Baden-Württemberg vor, die sich auf vielfältige Weise unbotmäßig verhielten. Die Autoren zeichnen vor allem das Schicksal von weitgehend Unbekannten nach, die sich dem Regime verweigerten. Aus politischen, religiösen, weltanschaulichen Gründen. Vor allem Leute ohne vorgehobene Stellung, aber mit Herz und Mut.

Ihr Handeln zeige die Vielfalt des Widerstands „und was gewöhnlichen Menschen möglich war“, betonte Prof. Dr. Angela Borgstedt bei der Präsentation des Bands im Neuen Ständehaus. Für die Mitherausgeberin straft das Verhalten der Portraitierten diejenigen Lügen, „die nach 1945 behaupteten, man habe nichts machen können“. Das Buch, das auch ein Kapitel Reinhold Frank widmet, wertete Bürgermeister Dr. Albert Käuflein als „große Bereicherung für die Gedenkkultur in Karlsruhe“. Mut und Courage seien aber auch heute gefragt, „wenn bestimmte Kreise wirken, die nicht den Nationalsozialismus selbst, sondern die Beschäftigung damit als Problem sehen“. Käuflein: „Das ist unerträglich“ -trö-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe