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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 23. März 2018

Wildtiere: Marder und Füchse auf dem Vormarsch

WIR KOMMEN: Marder (unser Bild) nähern sich neben Dachsen, Füchsen oder Wildschweinen immer mehr urbanen Gegenden an. Auch in Karlsruhe sind Wildtiere auf dem Vormarsch. Foto: Waldpädagogik

WIR KOMMEN: Marder (unser Bild) nähern sich neben Dachsen, Füchsen oder Wildschweinen immer mehr urbanen Gegenden an. Auch in Karlsruhe sind Wildtiere auf dem Vormarsch. Foto: Waldpädagogik

 

Dachshochburg ist Durlach / Mehr Wildschweine / Lehrreicher Vortrag des Forstamts

Wildtiere tauchen immer häufiger in urbanen Räumen auf. Karlsruhe macht da keine Ausnahme. Der Wildtierbeauftragte Stefan Lenhard informierte kürzlich über die „Kulturfolger“ in einem Vortrag im Waldklassenzimmer des Forstamts.

„Der wesentliche Faktor für die Tiere ist die Nahrung. Durlach ist beispielsweise eine Dachshochburg. Die Weinberge sind ein echtes Paradies für die Baumeister. Beim Turmberg gibt es ganze Dynastien über mehrere Generationen“, berichtete Lenhard. Mülltonnen, Obstgärten, Katzenfutter seien ein gefundenes Fressen für die Tiere. Die Abwärme von Gebäuden oder Autos würde gerne zum Aufwärmen genutzt. Und wer hätte gedacht, dass sich Dachs und Fuchs ihre Höhlen „in einer WG“ brüderlich teilen.

Auch die Wildschweinpopulation habe sich zuletzt „explosionsartig“ vermehrt. Da werde über Nacht problemlos Garten, Acker oder Sportplatz umgegraben. „Die massig vorhandene Nahrung zieht die Tiere an“, so Lenhard. Die Tiere seien oft versteckt in der unmittelbaren Nachbarschaft, ohne dass der Mensch sie bemerke. „Wenn es nach Maggi oder Johanniskraut riecht, weiß der Experte, dass die Rotte nicht weit ist“, sagte er Wildtierbeauftragte. Natürlich gebe es Gründe für die Migration der Wildtiere. „Das geht einher mit der Zersiedelung der Landschaft, der Zerschneidung der Ökosysteme sowie der industriellen Landwirtschaft mit dem Einsatz von Herbiziden.

Die natürlichen Nischen fallen weg, so geht beispielsweise die Population des Feldhasen drastisch zurück.“ Es wurde gar beobachtet, dass Vögel nachts kommunizieren statt in den Morgenstunden, da der Verkehr da schon zu laut sei. Auch der Fuchs sei immer häufiger an den Stadträndern vertreten. Als Ersatz für Erdlöcher dienten im Autoreifen oder Mülltonnen. Die Tiere passten sich an. So auch der Marder, der seine Nische in alten Dachstühlen suche. Dort habe er reichlich Nahrung (Käfer) und Schutz vor Greifvögeln. „Fast jeden dritten Tag bekommen wir Anrufe wegen Mardern. Leider gibt es im Konflikt mit ihm viel Selbstjustiz“, so Lenhard.

Autobesitzer reagierten verärgert, wenn die Schläuche durchgebissen seien. Statt Vergrämungsmittel empfahl er eine Motorwäsche, um die Tiere abzuhalten. Was generell gegen Wildtiere helfe, sei ein Hund im Garten. „Der Geruch eines Hundes schreckt die Raubtiere ab“, so der Experte. Organisiert wurde der Vortrag von Waldpädagogin Heike Rösgen und ihrem Team. An die 700 Veranstaltungen (vornehmlich für Kitas und Schulen) organisiert das Forstamt pro Jahr. -voko-

 
 

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