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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 13. April 2018

Stadtgeschichte: Vor 100 Jahren starb Wilhelm Kolb

Willhem Kolb im Jahre 1909. Foto: StA

Willhem Kolb im Jahre 1909. Foto: StA

 

Reform statt Revolution

Der 1870 in Karlsruhe geborene Arbeitersohn gehörte zu den führenden SPD-Politikern in Baden. Der Malergeselle hatte sich autodidaktisch gebildet und war fähig, seine pragmatische Politik gegen die großen Theoretiker der Sozialdemokratie vom marxistischen Zentrum wie Karl Kautsky oder sogar gegen den Vorsitzenden August Bebel zu begründen und durchzusetzen.

Klein  hatte er 1894 beim Parteiblatt „Volksfreund“ begonnen, stieg dann 1899 in die Redaktion ein - Sprungbrett seiner politischen Karriere. Im gleichen Jahr kam er in den Karlsruher Bürgerausschuss und war seit 1908 mit als erster Sozialdemokrat im Stadtrat. 1903 wurde Kolb Abgeordneter der Zweiten Kammer des Badischen Ständehauses und übernahm nach der Wahl 1905 den Fraktionsvorsitz. Mit dem bürgerlichen Parteifreund, dem Mannheimer Rechtsanwalt Ludwig Frank, setzte er auf die so genannte Großblockpolitik mit den bürgerlichen Liberalen gegen die Vorherrschaft der katholischen Zentrumspartei.

Der politische Erfolg mit liberalen Reformen, etwa in der Schul- oder Steuerpolitik und dem Aufstieg der SPD zur zweitstärksten Partei in Baden schien den Kurs der Beiden zu bestätigen. Kolb setzte auf „positive Mitarbeit“, um „Verbesserungen für die Lage der arbeitenden Klasse“ zu erreichen, nicht auf  revolutionäre Veränderungen. Die badische SPD-Landtagsfraktion wurde in der Gesamtpartei als Provokation empfunden, Kolb deswegen von Bebel oder Kautsky angegriffen.

Ebenso wie von der  Parteilinken Rosa Luxemburg, die 1910 auf einer Veranstaltung in Durlach  scharf mit dieser Politik abrechnete. Kolb kümmerte dies nicht, blieb einer parlamentarischen Monarchie verbunden. Folgerichtig gehörte er zu den Befürwortern der Burgfriedenpolitik 1914. Kolb war seiner Partei im Schwenk zu einer reformistischen, nichtrevolutionären Politik vorausgegangen. Diese nach dem Sturz der Monarchie in der Republik weiter zu verfolgen, blieb ihm versagt, als er mit nur 47 Jahren am 18. April 1918 schwer erkrankt starb. -jsk-

 
 

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