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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 20. April 2018

Kultur: Visionen schließlich erfolgreich

REPUBLIK  löst Monarchie ab. Foto: Fränkle

REPUBLIK löst Monarchie ab. Foto: Fränkle

 

Spannende Ausstellung zur badischen Demokratiegeschichte im Generallandesarchiv

Es war ein mühsamer Weg, bis aus dem Großherzogtum Baden nach dem Kampf um die wegweisende, Verfassung 1818 erstmals 1919, endgültig 1949 mit dem Grundgesetz eine Republik wurde. Inklusive Rückschlägen wie der Erstickung der 1848/49er-Revolution durch preußisches Militär oder dem alles Erreichte zerstörenden nationalsozialistischen Terror.

Das Generallandesarchiv will mit der Ausstellung „Demokratie wagen? Baden 1818-1918“ mit auch bisher unbekannten  Dokumenten und Exponaten zur Diskussion über die badische Demokratiegeschichte anregen. Und so die existentiellen Freiheits- und Menschenrechte herausheben wie ein Gegengewicht gegen Fake-News setzen. Gestalterisches Moment ist der Plenar-Halbkreis des badischen Ständehauses. Aus verschiedenen Perspektiven, zentrale Ereignisse, regionale und  biografische Sichtweisen, erweist sich Baden als das oft zitierte „Musterländle“.

Auf das Spannungsfeld zwischen Demokratie und Monarchie verweisen eingangs  Wappentafeln von Großherzogtum und Republik, dahinter der Schreibtisch, an dem Großherzog Friedrich II auf Schloss Langenstein den endgültigen Thronverzicht erklärte, „das allerschwerste Opfer“, so seine Mutter Luise in ihren ebenfalls präsentierten Aufzeichnungen. Für den Einfluss  der französischen Revolution steht eine Jakobinermütze, für die Verfassung von 1818, die mit erweitertem Wählerkreis das Land einigen sollte und den Regenten zum Staatsorgan machte, ein eigenhändig von den Landtagsabgeordneten geschriebenes Büchlein mit allen 63 Paragrafen. Das kurzzeitige liberale Pressegesetz von  1838 beleuchten die  Minister Winter als Verteidiger und von Blittersdorf als Gegner.

Die 1848er Revolution symbolisiert ein Stofftuch mit den 13 Offenburger Forderungen, ihr Ende das Bruchsaler Männerzuchthaus. In der liberalen Ära ab 1860 erscheinen der dogmatische Sozialdemokrat August Bebel wie der vergebens für die kirchliche Bildungshoheit streitende Bischof Hermann von Vicari. Die Verfassung von 1918, endlich mit Frauenwahlrecht, repräsentiert die  neue  bürgerliche Regierung, die Ruine des Ständehauses die Folgen der NS-Herrschaft. Darauf reagierte man 1949 mit den 20 nicht abschaffbaren Grundrechten. -cal-

 
 

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