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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 20. April 2018

Stadtbauforum: Konstruktiver Dialog gefordert

Stadtbauforum zu (energetischer) Sanierung im Denkmalschutz / Sind bezahlbarer Wohnraum und denkmalschutzgerechte Sanierungen unvereinbar?

Den Dialog über ein schwieriges Thema, die (energetische) Sanierung im Denkmalschutz, wollte die Verwaltung mit dem Stadtbauforum am 12. April eröffnen. Eigentümern, so Bürgermeister Michael Obert, sei er „zu streng, Außenstehenden zu lasch, Standardlösungen gebe es nicht“. Sein Fazit nach drei Vorträgen und engagierter Diskussion im vollen Bürgersaal: „Das Thema bleibt auf der Agenda, wir dürfen uns deutlich etwas sagen und müssen im Gespräch bleiben“.

Das verlangte auch Anete Wellhöfer, die für den Arbeitskreis Denkmalschutz großer Wohnungsgenossenschaften, darunter Mieter- und Bauverein wie Gartenstadt sprach, mit mehreren tausend denkmalgeschützten Wohnungen. Deren Ziel sei in Zeiten „eklatanten Wohnungsmangels bezahlbareres, zeitgemäßes, Klimaschutz berücksichtigendes Wohnen unter Erhalt des historischen Charakters denkmalgeschützter Häuser“. Dabei löse der praktizierte, restriktive Denkmalschutz keine Probleme sondern schaffe sie erst. Etwa wenn statt Dachflächenfenstern fünfmal so teure Gauben oder statisch ungenügende, historische Bauteile wieder eingebaut werden müssten.

Notwendig sei im Dialog ein Abwägen von Entscheidungen mit dem Ziel konstruktiver Lösungen, eine transparente Denkmalliste sowie bauwirtschaftliche und physikalische Kompetenz bei Denkmalschützern. Denn am schlimmsten sei das Nichtstun. Für die Denkmalpflege, ergänzte Obert, sei das Regierungspräsidium (RP), nicht die Stadt zuständig. „Baukultur und Klimaschutz können sich gut vertragen“ fand Hochbauamtschefin Anne Sick bei „rund 1000 städtischen Gebäuden, die es wert sind, gut mit ihnen umzugehen“. Mit dem Ziel der klimaneutralen Verwaltung bis 2040 orientiere sich die Stadt als Vorbild an übergesetzlichen Standards.

Sanierungsstrategien beinhalten in ihrer Praxis oft Mischungen, so beim Erhalt der äußeren Ursprungsform Innendämmungen oder Ertüchtigung der Gestalt, moderne Ergänzungen, Modernisierung und Neuinterpretation, aber auch Abriss und Ersatzbau. Da jedes Objekt andere denkmalschutfachliche Ziele habe, müsse man immer spezielle Lösungswege suchen, war die Erfahrung von Silke Vollmann, für energetische und bauphysikalische Fragen zuständige Denkmalpflegerin am RP Stuttgart. Spielräume gebe es in nicht geschützten Bereichen. Notwendig seien gewissenhafte Planung, gute Ausführung und ein konstruktiver Dialog zwischen allen Beteiligten. Etwa Zwischensparrendämmungen wenn die Dachform erhalten bleiben solle oder aber eine Aufdachdämmung bei einem wertvollen Dachstuhl, „versteckte“, nicht einsehbare Röhrenkollektoren oder ein Haus im Haus, um die historische Hülle unangetastet zu lassen.

In der Diskussion wurde beispielsweise der Unterschied zwischen den unter Kostendruck stehenden Wohnungbaugesellschaften und privaten oder öffentlichen Einzellösungen deutlich. Gefordert wurden massentaugliche Standards für den Einbau von Solarthermie-Anlagen oder die Veröffentlichung der Richtlinien, was ein Denkmal ist und was konkret denkmalgeschützt ist. -cal-

 
 

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