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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 27. April 2018

Europäische Kulturtage: Karlsruhe diskutiert Bürgerrechte

VOR DER VERFASSUNGSSÄULE: OB Dr. Frank Mentrup, Ministerin Theresia Bauer, Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche, Generalintendant Peter Spuhler und Verfassungsrichterin Prof. Dr. Susanne Baer (v.l.) Foto: Grünschloß

VOR DER VERFASSUNGSSÄULE: OB Dr. Frank Mentrup, Ministerin Theresia Bauer, Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche, Generalintendant Peter Spuhler und Verfassungsrichterin Prof. Dr. Susanne Baer (v.l.) Foto: Grünschloß

 

Bis 5. Mai volles Programm

Die Europäischen Kulturtage Karlsruhe (EKT) hätten es sich leicht machen und zu „Umbrüche, Aufbrüche: Gleiche Rechte für alle“ übliche Festival-Kost bieten können. Karlsruhe aber will es anders - das von Stadt und Badischem Staatstheater federführend veranstaltete Festival führt nicht nur auf und stellt aus, sondern es stellt zur Diskussion, regt Dialog und Kontroverse an.

„Diese Europäischen Kulturtage präsentieren den Rechtsstaat nicht, sondern legen Bürgerinnen und Bürgern das Recht in die eigenen Hände", sagte Bundesverfassungsrichterin Prof. Susanne Baer in ihrer Festrede zur EKT-Eröffnung im vollbesetzten Bürgersaal des Rathauses. Gleiche Rechte für alle seien weder selbstverständlich noch für immer geklärt, es gebe keinen Grund auf immerwährenden Fortschritt zu vertrauen. Populismus, der sich als Verteidiger des Rechtsstaats generiere, geißelte Baer als „Schlag ins Gesicht der Aufklärung, der Revolutionen, der Emanzipationsbewegungen, der Grund- und Menschenrechte.“

Der Rechtsstaat als „Sicherheitsgurt für Demokratie“ scheine zu schlottern, Intoleranz habe Konjunktur. Eine hochgefährliche Entwicklung, warnte Baer. Je weiter eine solche Haltung um sich greife, „desto mehr erodiert ein Grundkonsens in Europa, an dem wir alle hängen“. Die politische Kultur habe sich verändert, Rassisten beriefen sich auf Redefreiheit, salonfähig würden ihre Ausfälle aber noch lange nicht, erklärte Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Sie sah die Gesellschaft „mitten in einem Komplex von Debatten über Rechtegleichheit für alle“, die Kulturtage ermöglichten dafür den nötigen Raum.

Auch OB Dr. Frank Mentrup lobte das „Gemeinschaftswerk der Karlsruher Kulturschaffenden“ als  „Besonderheit“, aber „selten wird das so deutlich wie heute.“ Noch bis 5. Mai kann bei den Kulturtagen betrachtet, zugehört, gestritten und sich informiert werden: Digitalisierung im Zeichen künstlicher Intelligenz beleuchtet heute von 10 bis 18 Uhr die ZKM-Konferenz „Digitale (D)Effekte“, um 19 Uhr kreist das Konzert ?Ohrwurm Schönberg? in der Landesbibliothek um Werke der E- und U- Musik. Für Samstag lädt das Centre Culturel zur Teilnahme an „La Parade du Oui et du Non“ ein. Der Umzug mit Flaggen und Musik versteht sich als zivilgesellschaftliche Meinungsäußerung führt vom Treffpunkt hinter der Postgalerie (14 Uhr) bis zum Schloss. Im Badischen Kunstverein kann man ab Donnerstag, 3. Mai, um 19 Uhr das polnische Künstlerduo KwieKulik in einer Retrospektive kennenlernen und tags darauf behandelt ein wissenschaftliches Symposium ab 19 Uhr im Rathaus am Markplatz „Europa in Bewegung. Gesellschaften, Werte und Frauenrechte im Aufbruch.“ -maf-

 
 

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