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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 27. April 2018

Kultur: Mehr als Rollenklischees

„LÖFFELMUSCHELN“: Durch Trockels Vitrinenarbeit hindurch fotografiert wurde dieses Bild bei der Vernissage. Foto: Bastian

„LÖFFELMUSCHELN“: Durch Trockels Vitrinenarbeit hindurch fotografiert wurde dieses Bild bei der Vernissage. Foto: Bastian

 

Städtische Galerie zeigt Marlene Dumas und Rosemarie Trockel aus der Sammlung Garnatz

Marlene Dumas und Rosemarie Trockel eint manches – fast gleichaltrig, zählen sie weltweit zu den wichtigsten Protagonistinnen der aktuellen Kunstszene, beide beziehen sich auf feministische und gesellschaftspolitische Fragestellungen, behaupten sich in der männlich geprägten Kunstwelt und beider Frühwerke fanden das Interesse des Kölner Sammlerpaares Ute und Eberhard Garnatz.

Als Beitrag zu den 24. Europäischen Kulturtagen Karlsruhe (EKT) zum Thema „Umbrüche – Aufbrüche: Gleiche Rechte für alle“, die ihren Blick auch auf Geschlechtergerechtigkeit richten, widmet die Städtische Galerie Marlene Dumas und Rosemarie Trockel eine eigene monografische Ausstellung und versinnbildlicht damit auch den erstmaligen Zusammenschluss der EKT mit dem zuvor eigenständigen Festival Frauenperspektiven. Die bis 24. Juni dauernde Schau zeigt frühe Werkkomplexe, die für das gesamte Schaffen der 1953 in Südafrika geborenen Marlene Dumas und der ein Jahr ältere Konzeptkünstlerin Rosemarie Trockel beispielhaft sind, und stellt sie einander dialogisch gegenüber.

Dumas´ Interesse gilt nicht weiblichen Rollenbildern, eher der Ambivalenz des Menschen. So präsentiert sie als „Warhol´s Child“ einen monströsen Säugling, der das Ideal niedlicher Babys konterkariert, ihre überlebensgroße „Magdalena“ ist von archaischer Wucht und scheint Supermodell Naomi Campell als Vorlage zu haben. Beeindruckend auch die 211-teilige Serie „Female“ mit Tusche-Porträts von Frauen verschiedenen Alters sowie ethnischer und sozialer Gruppen. Ohne Strickbilder geht es bei der Konzeptkünstlerin Rosemarie Trockel nicht, die Ironisierung vermeintlich typischer Frauenarbeit machte sie weltberühmt. Zwei Beispiele dieser Phase fanden ebenso Eingang in die Schau wie auch die Vitrinenarbeit „Löffelmuscheln“ oder das den Kunstbetrieb kritisierende Gemälde „Hell“. -maf-

 
 

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