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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. Mai 2018

200 Jahre Badischer Kunstverein: Lichthof ist Club

IN SIEBEN SPRACHEN sang Kian Jazdi die Strophen des Tafellieds. Ganz Ohr sind in vorderster Reihe (v.r.) Dr. Micheal Heck, Prinz Bernhard von Baden, OB Dr. Frank Mentrup, Staatssekretärin Petra Olschowski und Direktorin Anja Casser. Foto: Bastian

IN SIEBEN SPRACHEN sang Kian Jazdi die Strophen des Tafellieds. Ganz Ohr sind in vorderster Reihe (v.r.) Dr. Micheal Heck, Prinz Bernhard von Baden, OB Dr. Frank Mentrup, Staatssekretärin Petra Olschowski und Direktorin Anja Casser. Foto: Bastian

ZUM ORT DES FEIERNS erklärt das Design Studio Schroeder Rauch den zentralen Lichthof während des Jubiläumsjahrs. Foto: Bastian

ZUM ORT DES FEIERNS erklärt das Design Studio Schroeder Rauch den zentralen Lichthof während des Jubiläumsjahrs. Foto: Bastian

GÄSTE-SPEISUNG als Meze-Inszenierung von Viron Erol Vert. Foto: Bastian

GÄSTE-SPEISUNG als Meze-Inszenierung von Viron Erol Vert. Foto: Bastian

 

Festakt mit Prominenz / Start des Jubiläums-Programms

Mit dem Badischen Kunstverein feiert die älteste Kunstinstitution Karlsruhes Geburtstag. Um des schönen Genusses willen, „welchen die Anschauung der Werke bildender Künste uns gewähren“, 1818 gegründet, weiß sich der Verein zum 200. Geburtstag von 1.200 Kunstschaffenden und Kunstinteressierten getragen und fördert zeitgenössische künstlerische Positionen.

Ein Festakt zum Gründungsdatum eröffnete am 1. Mai die Jubiläumsfeierlichkeiten. Bis Ende des Jahres laden Vorträge, Lesungen, Ausstellungen, Aktionen und Konzerte ein, Historie, Gegenwart und Zukunft des Vereins kennenzulernen – mithilfe ansprechender Formate und unterstützender „Allianzen“. Zum Auftakt jedenfalls war der zentrale Ausstellungsraum proppenvoll, viele Gäste fanden keinen Sitzplatz und mussten während der offiziellen Reden stehen. Vorstand Dr. Michael Heck bat um Verständnis, ein solches Fest müsse dort gefeiert werden, „wo es hingehört.“

Schon vorher habe in Karlsruhe ein „bemerkenswerter kunstsinniger Geist“ geherrscht, verwies OB. Dr. Frank Mentrup auf die Badische Staatskapelle, die 2012 ihr 350. Jubiläum feierte und das Badische Staatstheater, das 2019 sein 300-jähriges Bestehen begeht. Von Beginn an stand der Karlsruher Kunstverein unter großherzoglichem Protektorat, im Jahr 1900 schenkte ihm Großherzog Friedrich I von Baden das Domizil in der Waldstraße. „Die lange Verbundenheit unserer Häuser“ unterstrich denn auch Kuratoriumsvorsitzender Prinz Bernhard von Baden. Heute wie damals befähige Kunst zum Perspektivwechsel“, ermögliche ästhetische, politische und soziale Bildung. Keinesfalls dürfe sie „durch politische Einflussnahme in ihrer freien Entfaltung gebremst werden.“

Baden-Württembergs Kunststaatssekretärin Petra Olschowski betonte die Rolle der Kunstvereine als „Keimzelle bürgerlicher Kultur.“ Sie stünden für „Freiheit, Offenheit und Mut“ und „aktiven Gestaltungsanspruch“, seien „unverzichtbare Bestandteile“ der reichen Kulturlandschaft. Diskurs und Vermittlung seien bis heute essenzielle Anliegen der Kunstvereine, sie verstünden sich im Sinne eines erweiterten Kunstbegriffs als Plattforum, um soziale, politische und kulturelle Prozesse zu hinterfragen. Diesen „besonderen Status“ gelte es zu „stärken und zu schützen“, forderte Direktorin Anja Casser.

Was Besucherinnen und Besucher während des Jubiläumsjahrs und nach langer Sanierungspause erwartet, war schon an diesem Feier-Abend zu erleben. Just an diesem Tag ging als zweite und letzte Phase des Projekts „31,2 laufende Meter“ HfG-Studierender die neue Archiv-Website des Vereins online, und gibt es im Architekturschaufenster gegenüber die Schau „Von den Architekturen des Badischen Kunstvereins“ zu sehen. Der Lichthof wurde erstmals als Möglichkeitsraum „Club 2.0.0“ in Besitz genommen und dient fortan nicht nur einer Mittwochreihe als Kulisse - er ist auch Präsentationsort eines Hörspiels, das Gespräche mit Zeitzeugen und literarische Beiträge zu einem kollektiven Zeitbild verwebt.

Einladend im besten Sinne ist nun auch das Foyer. Nach dem Umbau offenbart es nicht nur zwei zuvor hinter einer Lichtwand versteckte Fenster, es verfügt nun auch über eine lange Theke, an der es sich Kaffee trinken und ins Gespräch kommen lässt - etwa über die am gestern eröffnete Retrospektive des polnischen Künstlerduo KwieKulik „SHE and HE“. -maf-

 
 

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