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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. Mai 2018

Tag der Arbeit: Attraktiver und flexibler werden

DEBATTE ZUR ARBEITSZUKUNFT: OB (2.v.l.) mit Bürk (DGB), Zöller (Handwerk), Wagner (IG Metall), Peters (JAV), Wunsch (Schule). Foto: Fränkle

DEBATTE ZUR ARBEITSZUKUNFT: OB (2.v.l.) mit Bürk (DGB), Zöller (Handwerk), Wagner (IG Metall), Peters (JAV), Wunsch (Schule). Foto: Fränkle

 

Nachwuchskräfte finden und halten, Perspektiven und Herausforderungen / OB Mentrup würdigt Auszubildende bei Empfang zum Tag der Arbeit als Fundament

„Gute Ausbildung – gute Arbeit – gutes Leben“: Motto des städtischen Empfangs zum Tag der Arbeit, vorigen Donnerstag im Rathaus. Gesellschaftlichem Überpriorisieren der gymnasialen und akademischen Schiene hielten die Akteure den nicht nur soliden, sondern mannigfaltig wegweisenden Wert der Ausbildung entgegen.

„Personalgewinnung und -bindung bleibt schwierig“, betonte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup. „Trotz der sicheren Arbeitsplätze“ spürt der öffentliche Dienst, was zum Positiven der jüngst erreichte Tarifabschluss belege, die Konkurrenz der freien Wirtschaft. Flexibilität sei ein Gebot der Stunde, der Anteil der städtischen Teilzeitkräfte liege bereits bei 40 Prozent. Telearbeit, Kinderbetreuung, Pflegechancen: das und mehr gewinnt an Bedeutung. „Wir wollen auch über attraktive Arbeitsweisen stärker reden“, quervernetzt agieren, Projektorientierung – gerade auch für Nachwuchskräfte und ihre Dynamik – stärker standardisieren.

Gewohnt kämpferisch gab sich Gewerkschaftsführer Dieter Bürk als Vorsitzender des DGB-Stadtverbands: „Private wie öffentliche Arbeitgeber müssen sich ihrer Verantwortung nicht nur bewusst werden, sondern auch entsprechend handeln.“ Angesichts des Wirtschaftsbooms, der sprudelnden Steuerquellen, aber auch des grassierenden Fachkräftemangels.

Besonders hart trifft es das Handwerk; auch weil sich insgesamt die Ausrichtung verschob: „Von den Schulabsolventen eines heutigen Jahrgangs gehen nur noch 35 Prozent in die Duale Ausbildung – die verteilen sich dann auf alle Branchen. Zwei Drittel derer, die sich noch für das Handwerk entscheiden, wandern ab Richtung Industrie.“ So schilderte Kreishandwerksmeister Frank Zöller das Dilemma. Konkrete Vorstellungen Jugendlicher seien oft unrealistische à la TV-Star-Koch.

„Jeder Vierte bricht die Ausbildung ab, bei Köchen jeder Zweite.“ Zöller wirkte bei einer von Alex Hofmann (SWR) moderierten Debatte mit. Wie OB Mentrup, Catharina Peters, Vorsitzende der Gesamt-Jugend-und-Auszubildendenvertretung (JAV) der Stadt (viele junge Einsteiger sehen „sichere Zukunftsperspektive“, Ausbildung aber oft als „Parksituation“ für noch zu entwickelnde, andere Pläne), Daniel Wunsch, Berufsschullehrer in Baden-Baden (Hälfte mittlerweile Vollzeitschüler, bei klassischen Berufsschülern mit praktischer Ausbildung sank Niveau so weiter, Berufsorientierung priorisieren: noch am Ende der Realschule haben die meisten keine Ahnung, was es gibt oder sie tun könnten) und Marco Wagner von der IG-Metall-Jugend Karlsruhe. Warb für mehr Praxisanteile und durfte sich als einziger etwas wünschen: „Dass wir unsere vielen guten Regelungen auch einhalten.“

Tausende Flüchtlinge wurden unter schwierigen Voraussetzungen angelernt, auf gut 200 städtische Ausbildungsplätze entfielen immerhin zehnmal so viele Bewerber, Lehrer Wunsch bezifferte das Standardverhältnis mit 1:0,95. Azubis, unterstrich Mentrup, bildeten das Rückgrat, das Fundament einer städtischen Gesellschaft, der Entwicklung von Infrastruktur. -mab-

 
 

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