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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 1. Juni 2018

Kultur: Ton- und Porzellanwelten

"BEFREIUNG" von Peter Wichmann. Foto: BLM/Deck

"BEFREIUNG" von Peter Wichmann. Foto: BLM/Deck

 

Ausstellung zu neuem Keramikpreis im Museum beim Markt

Zu welcher Vielfalt, inhaltlich wie technisch, Kreative finden, die mit Ton und Porzellan arbeiten, demonstriert noch bis 6. Januar die Schau zum südwestdeutschen Keramikpreis.

 Im Museum beim Markt staunt man über die Arbeiten der 16 Finalisten des nun zum zweiten Mal vergebenen, mit 10000 Euro dotierten, von der Sparkassenstiftung finanzierten Förderpreises für Künstlerinnen und Künstler aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Siegerin ist Stephanie Marie Roos, die mit ihren irritierenden Figuren des Kapuzenträgers "Hoodie", der Jugendlichen mit "schwarzrotgold" lackierten Fingernägeln oder der Frau im Kleid mit rosa Uniformmuster und der Handtasche als Bärenfellmütze ("Uniform") Menschen und ihren Requisiten nachspürt. Mit denen definierten diese "ihre Rolle im Schauspiel der Gesellschaft", schützen sich, setzten Grenzen oder Kampfsignale oder versorgten sich mit kraftspendenden Symbolen, erklärt Roos. Das Gegenprogramm liefert der nun in Deutschland heimische Südkoreaner Kiho Kang. Er bekam den zweiten Preis für seine "Installation geometrischer, akribisch per Hand gebauter Gefäßformen", mit denen er aus Tonwülsten stilllebenhaft Kegel, Zylinder oder Kugelschnitte harmonisch und rhythmisch, meditativ komponiere, so die fünfköpfige Jury.
Angetan war sie ebenso von den politischen und gesellschaftskritischen Werken von Nicole Thoss, die "belobigt" wurde. Sie platziert etwa auf einem großen Keramikteller als mittels Glasur spiegelndem Meer über drucktechnische Verfahren Motive wie den flüchtenden Vater mit seinem Kind, umgeben von Stacheldraht und blutroten Linien, das Ganze getoppt durch ein Papierschiffchen aus Porzellan.
Das Vorbild von Medusen und Korallen ist in Heide Nonnenmachers "Wave" zu spüren, in der sie in einer "Eischale" mit feinstem Papierporzellan filigrane Innenstrukturen erzeugt. Den "verwalteten Menschen" ohne Kopf und Hände zwängt Daniela Polz in einen Rahmen und Papierstapel, ebenfalls aus Porzellan. Und Monika Debus verwandelt mit bemaltem Ton ummantelte Kieselsteine zu archaischen Plastiken. -cal-

 
 

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