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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 8. Juni 2018

Kultur: Ewig richtig liegen

BLICK in die neue Ausstellung zur Bestattungskultur am Rondellplatz, im Vordergrund steinerne Symbole wie die Taube, im Hintergrund der individuelle KSC-Sarg. Foto: Fränkle

BLICK in die neue Ausstellung zur Bestattungskultur am Rondellplatz, im Vordergrund steinerne Symbole wie die Taube, im Hintergrund der individuelle KSC-Sarg. Foto: Fränkle

 

Bestattungskultur im Fokus

„Hier liegen Sie richtig“: Zum Nachdenken über viele, oft noch verdrängte Aspekte von Tod und Sterben soll die bis 24. Juni laufende Ausstellung über Friedhofs- und Bestattungskultur im Regierungspräsidium (RP) am Rondellplatz anregen.

Der Titel ist aber auch wörtlich zu nehmen, denn das Publikum kann sich nicht nur mit Kaffee und Literatur zurückziehen, sich beraten lassen, sondern auch in einem weiß ausgeschlagenen Sarg Probe liegen. Die von Simone Maria Dietz, Verein zur Pflege der Friedhofs- und Bestattungskultur, mit städtischen Experten, Kirchen, Bestattern, Steinmetzen und Gärtnern erarbeitete und vom RP unterstützte Schau ermutigt ebenso zu eigenen sinnlichen Erfahrungen. So ist eingangs auf einem anonymen Gräberfeld mehrfach „Mutter, wo bist Du?“ zu lesen. Daneben kann man auf einer Tafel eine Antwort auf die Frage notieren: „Wie soll ich mich erinnern?“

Anonyme Bestattungen - oft gewählt, um nicht den Angehörigen zur Last zu fallen - seien problematisch, weil es keinen Trauerort mehr gibt, sagt Dietz. Deshalb folgt dahinter die Inszenierung eines offenen Grabes. Symbole wie Blumen für den Lebenskreislauf, ein Efeukreuz für Unsterblichkeit und ewiges Leben, der Baum zusätzlich für Auferstehung, das Boot für Geborgenheit und Sicherheit, der Grabengel als Tröster, Beschützer und Helfer, ein Schmetterling als Verkörperung von Verwandlung und aufstrebender Seele oder die Taube für Leben und Frieden verweisen auf kulturelles Erbe wie Rituale.

Private Vorlieben zeigen der blauweiße KSC-Sarg und die Fußballurne. Ein moderner Leichenwagen mit fahrbarer Trage und Leichensack sowie Einbalsamierungsutensilien und Sarghölzer rücken die Arbeit der Bestatter in den Fokus. Wie Steinmetze und Friedhofsgärtner - alle Gewerke informieren zudem über ihre Ausbildung - mit fantasievollen Grabsteinen und Blumenarrangements Gesamtkunstwerke schaffen, verdeutlicht etwa ein steinerner Pokal mit überquellenden Rosen. Weil noch weit mehr als jetzt präsentiert anliegt, wird bereits über eine zweite Ausstellung nachgedacht.

In der dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr eintrittsfrei geöffneten Schau gibt es donnerstags, 17 Uhr, eine Führung, auf Anfrage für Schulklassen, sonntags ab 16 Uhr Konzerte, drei Fachtage (9. Juni: Friedhofsgärtner, 16.: Bestatter, 23.: Steinmetze), stets von 12 bis 16 Uhr Beratung und am 21. Juni, 19 Uhr, die musikalische Lesung „Hoamzuus“ mit Achim Töpel (www.rp-karlsruhe.de). -cal-

 
 

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