Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 29. Juni 2018

Katastrophenschutzübung „Heißer Fächer“: Zusammenspiel als Erfolgsgarant

Foto: Blume

Foto: Blume

RETTUNG AUS HÖCHSTER NOT: Ein Polizeihubschrauber hat bei Waldbrand Eingeschlossene aus der unerreichbaren Gefahrenzone gebracht. So sah es ein Aspekt der Katastrophenschutzübung vor. Foto: Blume

RETTUNG AUS HÖCHSTER NOT: Ein Polizeihubschrauber hat bei Waldbrand Eingeschlossene aus der unerreichbaren Gefahrenzone gebracht. So sah es ein Aspekt der Katastrophenschutzübung vor. Foto: Blume

EIN LAGEBILD von Orten der Katastrophenschutzübung verschaffte sich BM Stapf (Mitte), wie hier an der Gewerbeschule Durlach. Foto: Blume

EIN LAGEBILD von Orten der Katastrophenschutzübung verschaffte sich BM Stapf (Mitte), wie hier an der Gewerbeschule Durlach. Foto: Blume

 

Kräfte simulieren stadtweite Hitzelast mit verschärft herausfordernden Szenen

Der Tenor war eindeutig. Am Ende der großen Katastrophenschutzübung am vergangenen Samstag schlossen sich auch die Sprecher der anderen am „Heißen Fächer“ beteiligten Organisationen dem „positiven Fazit“ an, das der Leiter der Branddirektion Florian Geldner über die Geschehnisse des Tages zog. Der Chef der Berufsfeuerwehr war „grundsätzlich sehr zufrieden“, kleinere Fehler bei der Bewältigung der unterschiedlichen Szenarien hätten keinerlei Auswirkungen gehabt und seien dazu da, „um aus ihnen zu lernen“. Luca Wernert (DLRG) sah im „hervorragenden Zusammenspiel“ der einzelnen Einheiten den Erfolgsgaranten, der Leitende Notarzt Dr. Christoph Nießner lobte wie David Domjahn (THW) und Sascha Friedrich (Bergwacht) den „hervorragenden Einsatz der Helferinnen und Helfer“.

Brütende Hitze, die seit Wochen anhält, Menschen reihenweise kollabieren lässt, Tiere gefährdet, Waldbrände entfacht: Basis der facettenreichen Katastrophenschutzübung „Heißer Fächer“, die vorigen Samstag rund 300 Kräfte (etwa von Bergwacht, DLRG, DRK, Feuerwehren, Forstamt, Johannitern, Maltesern; zwei Drittel Übende, ein Drittel Leitende / Opfer Mimende) auf Trab hielt. Retten, versorgen, bekämpfen – Überblick bewahren.

Die Situationen spitzen sich zu, die Rettungsdienste sind komplett ausgelastet, der Führungsstab ist einberufen, ordnete Branddirektionsleiter Florian Geldner vor einer Rundfahrt zu Simulationsorten ein. „Das Besondere ist, dass es verschiedene Lagen unter einer Gesamtproblematik gibt und es auf immense Koordination ankommt“, erklärte Bürgermeister Klaus Stapf zur in der Komplexität neuartigen Übung. Bei der Ankunft an der Gewerbeschule Durlach, die als Versorgungszentrum fungierte – mit erschwerendem Stromausfall. Es ging hoch her. Ein junger Mann taumelte mit Kreislaufproblemen, ein anderer wurde unter einer Isolierdecke hineingebracht. Im Schatten auf Liegen warteten Erstversorgte.

An der Registrierung wurde jeder erfasst, farblich priorisiert. Ein Mädchen trug einen Kopf-, eine andere einen Armverband. Der Spaß an einem Musikfestival endete für Einige jäh. Wie die Party am Steg des Grötzinger Sees. Ein alkoholisierter Fahrer war, so wollte es eine weitere Szene, darüber gerast und ins Wasser gestürzt. Taucher bargen ihn (als Puppe) tot, brachten dann unter der umweltschonend ausgeschlachteten, eigens versenkten Karosse einen Hebesack an. Es gab Verletzte, eine beiseite Gesprungene traf es schwer. Wer unter was leiden, sich wie verhalten sollte, war überall wie Rollen festgelegt. Sabine Rothfritz vom Arbeiter-Samariter-Bund und ihr auf Menschen trainierter Suchhund Mayla durchforsteten die Uferzone.

Im Füllbruch verschärften Winde einen Waldbrand. „Hier haben Sie nicht alle paar hundert Meter einen Hydranten“, veranschaulichte Geld-ner eine von vielen Herausforderungen. Also Schlauchleitung und Pendelverkehr als „moderne Eimerkette“. Rettungsdienste brachten Verletzte in das auch mitwirkende Städtische Klinikum – tatsächlich, für mehr Erkenntnisse. Dann das ersehnte Rotorengeräusch: Per Polizeihubschrauber waren von Flammen eingeschlossene Schüler aus einer sonst nicht mehr erreichbaren Waldhütte gerettet worden. Das Technische Hilfswerk sollte indes am Reitschulschlag mit Stegbau und Frischwasserzufuhr unterstützen, gegen das Fischsterben im gekippten See.

„Unser Trinkwassersystem bricht in Wirklichkeit nicht nach zwei, drei Wochen Hitze zusammen“, betonte Geldner zum stadtweit verschärfenden Faktor Leitungsschäden. Zig Notbrunnen gab es bald, die Stadtwerke sorgten für 15 Liter pro Tag und Person in höchstens 1,5 Kilometern Distanz. Optimierungsbedarf der Zusammenarbeit soll die Übungsauswertung zeigen. -mab-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe