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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 6. Juli 2018

Frauenanhörung: Viel erreicht und noch viel zu tun

Vertreterinnen aus Verbänden und Gemeinderat diskutierten Probleme von Frauen

100 Jahre Frauenwahlrecht waren für die städtische Gleichstellungsbeauftragte Annette Niesyto Anlass, kürzlich bei einer Anhörung Stadträtinnen und Verbandsvertreterinnen zu fragen: „Karlsruhe. Stadt der Frauen?!“

Grundsätzlich hätten sich „die Rechte von Frauen verbessert“, so Elisabeth Siol von der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Frauenorganisationen, die 32 Verbände vertritt. „Frauen sind aber nur gemeinsam stark, etwas durchzusetzen“, was im beschließenden Jugendhilfeausschuss über die Parteigrenzen gut funktioniere.

Als Hauptproblematik nannte Siol „die Finanzierung der Verbände, die unbürokratische Hilfe vor Ort leisteten, aber keine Planungssicherheit für ihre Stellen bei den stets drohenden Budgetkürzungen haben“. Obwohl die Ansprüche der Gesellschaft an sie sehr hoch seien, gelte ihre Arbeit oft als freiwillige Leistung, obwohl viele Pflichtaufgaben auf sie übertragen worden seien. Dringend geklärt werden müsse, was weiter freiwillig bleibe und was als Pflicht haushaltsrechtlich (planungssicher) institutionalisiert gehöre. Denn Beratungen erforderten hohe, nicht ehrenamtlich leistbare Fachkompetenz.

Von den Stadträtinnen plädierte Dr. Rahsan Dogan (CDU) für gemeinsames Vorgehen und wollte „viel für die Haushaltsberatungen mitnehmen“. Als Erfolgsfaktoren nannte Zoe Mayer (GRÜNE): „einfach machen, sich auf eigene Stärken besinnen und gut vorbereiten“. Nachdenklich stimmte Sabine Zürn (DIE Linke), dass nur noch „23 Prozent der Gemeinderatsmitglieder in Baden-Württemberg Frauen sind, davon die wenigsten Feministinnen“, und 50 Prozent der Frauen gar nicht mehr wählen würden. Eine stärkere Vernetzung der Einrichtungen und Prüfung der Rechtsansprüche aus der seit Februar geltenden Istanbuler Konvention zum Schutz von Frauen vor Gewalt, wollte Gisela Fischer (SPD).

Als Verbandsvertreterin verlangte etwa Ursula Zetzman (In VIA, Erzdiözese Freiburg) für (Pflege-) Haushaltshilfen und Wanderarbeiterinnen aus Osteuropafaire Arbeitsverträge, Durchsetzung von Mindeststandards und eine Kontrolle der Vermittlungsagenturen. „Prekäre Kreisläufe beenden“ forderten Katja Butterbrodt und Hanna Lindenfelser (Beratungsstelle für Prostituierte) und mehr Sicherheit für die ausgegrenzten und stigmatisierten Sexarbeiterinnen, die sich oft kaum verständigen könnten.

Jürgen Ganter (Sozialdienst katholischer Frauen, SkF), verantwortlich für das größte Frauenhaus, beklagte „Kürzungswellen, aufgrund derer hochqualifizierte Mitarbeiterinnen nicht zu halten sind“ und machte auf das Problem aufmerksam, hilfesuchende Frauen aus Drittstaaten als Beratungsstelle ablehnen zu müssen. Iris Tischler und Ingrid Reutemann (Wildwasser und Frauennotruf) wollen für „Verzweifelte gerne mehr machen, schaffen es aber wegen zu wenig Personal nicht“. Eine „öffentliche Diskussion zur Sicherheit in der künftigen U-Bahn“ stieß Dr. Katrin Schulz (AG sozialdemokratischer Frauen) an. Susanne Daferner (Bahnhofsmission) vermisste eine Frauenpension. -cal-

 
 

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