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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 6. Juli 2018

Kultur: Fremd und doch so vertraut

MODELLE EINES  FLUSSPFERDERACHENS und eines Moschusochsens erwarten das Publikum untern anderem in eiszeitlichen Winterinszenierungen in der Landesausstellung im Naturkundemuseum.  Foto: MMG

MODELLE EINES FLUSSPFERDERACHENS und eines Moschusochsens erwarten das Publikum untern anderem in eiszeitlichen Winterinszenierungen in der Landesausstellung im Naturkundemuseum. Foto: MMG

 

Auf den Spuren der Eiszeit im Naturkundemuseum

Heute leben sie südlich des ersten Nilkataraktes oder wie das Karlsruher Paar Platsch und Kathy im Zoo. Vor 115.000 Jahren tummelten sie sich auch hierzulande im Rhein: tonnenschwere Flusspferde.

Mit den Kolossen als „Leittieren“ liefert im Naturkundemuseum bis zum 27. Januar eine große Landesausstellung Antworten auf die Frage wie die Eiszeit wirklich war. In der wir übrigens seit 2, 6 Millionen Jahren immer noch leben, denn beide Pole sind mit Eiskappen bedeckt.

Aber auch hier wechselten sich Warm- und Kaltzeiten ab. So entführt im großen Sonderausstellungssaal links eine Sommerlandschaft in das vor 126.000 Jahren beginnende „Eem“, rechts eine Winterlandschaft in das „Würm“, das vor 115.000 Jahren anfing, bis vor 11.700 Jahren dauerte, viel kälter war als heute und von der aktuell noch andauernden Holozän-Warmzeit mit mildern Wintern und gemäßigten Sommern abgelöst wurde. In der Würm-Kaltzeit bevölkerten Riesentiere wie Wollnashörner, Steppenbisons oder Riesenhirsche die Steppenlandschaft des stets eisfreien Oberrheingrabens. Im warmen Eem waren es Waldelefanten, Waldnashörner, Wasserbüffel und eben die Flusspferde.

Von dieser Tierwelt zeugen in Landschaftsinszenierungen auch Schädel des Höhlenlöwen und -bären, Stoßzähne eines Waldelefanten und Wollhaarmammuts oder das gewaltige Geweih eines Riesenhirschs. Als einer der besterhaltenen Schädel des Waldnashorns gilt der 1802 am Rheinufer entdeckte „Daxlander Nashornschädel“, der zuerst für den Schädel einer Meerjungfrau gehalten wurde. Noch heute existierende Tiere wie das Murmeltier sowie Pflanzen sind mit ihren Lebensweisen und Überlebensstrategien ein weiteres Thema ebenso wie die Spuren früher Menschen, von denen Steinwerkzeuge, Fossilien und Schädelabgüsse präsentiert werden. Ergänzend zu solchen Exponaten informieren interaktive Stationen, Grafiken und Klimazeugen wie Pollen über die Geologie von Eiszeitaltern. „Wissensinseln mit Hör- und Riechstationen sowie Tastbildschirmen.

Mit der Ausstellung will das Naturkundemuseum als bio- und geowissenschaftliches Forschungsinstitut seine von Wissenschaftlern aus aller Welt genutzten geologisch-paläontologischen Sammlungen mit Gesteinen, Ablagerungen und Fossilien aus der Zeit des Pleistozän wieder einmal öffentlich bewusst machen. Auch weil die Oberrheinlandschaft damals entstand.

Das opulente Begleitprogramm für Jung (etwa mit 30-seitiger Rallye-Broschüre) und Alt (inklusive Audioguide und besonderer Abendveranstaltungen samt Kurator und Imbiss à 45 Euro, erstmals am 19. Juli, 19 Uhr) findet sich unter www.flusspferde-eiszeit.de. -cal-

 
 

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