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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 6. Juli 2018

Sicherheit in Karlsruhe: Empfinden schlechter als die Lage

SICHERE GROSSSTADT: Karlsruhe belegt Platz zwölf in einem Ranking unter 39 Kommunen über 200.000 Einwohnern. Das Sicherheitsempfinden jedoch hinkt vielfach hinterher. Foto: Fränkle

SICHERE GROSSSTADT: Karlsruhe belegt Platz zwölf in einem Ranking unter 39 Kommunen über 200.000 Einwohnern. Das Sicherheitsempfinden jedoch hinkt vielfach hinterher. Foto: Fränkle

 

Statistiken und Debatte zur Sicherheit in Karlsruhe im Hauptausschuss / Die Zahl der Straftaten ist zurückgegangen / Audit soll Wege zur Verbesserung des Sicherheitsgefühls aufzeigen

Karlsruhe ist eine sichere Großstadt. Dies unterstreichen die jetzt im Hauptausschuss vorgelegten Zahlen eindeutig. Doch das Empfinden in der Bevölkerung steht dazu vielfach nicht im Einklang. Ist mehr von Ängsten besetzt. Ein Audit der Universität Heidelberg soll Wege aufzeigen, die das Sicherheitsgefühl verbessern können.

Die von der Leiterin des Amts für Stadtentwicklung Dr. Edith Wiegelmann-Uhlig im Ausschuss vorgelegte Erhebung zur Entwicklung der Straftaten in Karlsruhe in den vergangenen fünf Jahren zeigt einen Rückgang von 28.462 im Jahr 2012 auf 27.644 im Jahr 2017. Dies entspricht einem Minus von 2,9 Prozent. In Heidelberg und Mannheim dagegen stiegen die von der polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Straftaten im gleichen Zeitraum um 30,1 beziehungsweise 19 Prozent.

Im bundesdeutschen Vergleich schneidet Karlsruhe ebenfalls gut ab und belegt nach einem Ranking der „Welt am Sonntag“ vom April 2018 unter den 39 deutschen Großstädten ab 200.000 Einwohner Platz zwölf. Mit der Häufigkeitszahl von 8.917 Straftaten je 100.000 Einwohner gehört Karlsruhe in die Kategorie „sichere Großstädte“. Ganz anders sieht es bei den Großstädten mit der höchsten Straftatenbelastung aus. „Spitzenreiter“ Frankfurt verzeichnet 14.864 Straftaten pro 100.000 Einwohner, Hannover 14.616, Berlin 14.558.

Die Zahl der Gewaltdelikte wie Raub oder Körperverletzung, die in Karlsruhe in den Jahren 2015 und 2016 angestiegen war, ist inzwischen wieder spürbar rückläufig und lag 2017 mit 2.687 Straftaten sogar leicht unter dem Ausgangswert von 2012 (2.764). Die Zahl der Diebstähle verringerte sich von 2012 bis 2017 um 13,5 Prozent, und auch die Wohnungseinbrüche sind in den vergangenen vier Jahren (2013: 752 Fälle, 2017: 345 Fälle) deutlich weniger geworden. Die räumliche Verteilung zeigt eine hohe Zentralität. Die meisten Straftaten werden in der Innenstadt und den zentral gelegenen Stadtteilen begangen. Für die insgesamt positive Entwicklung in Sachen Fallzahlen sei vor allem „die gute Polizeiarbeit“ verantwortlich, waren sich die Mitglieder des Ausschusses mit CDU-Stadtrat Jan Döring einig.

Doch Fakten und Empfinden passen nicht zueinander. „Zwischen objektiver Lage und subjektiver Wahrnehmung gibt es abweichende Tendenzen“, brachte OB Dr. Frank Mentrup das Dilemma auf den Punkt und verwies dabei exemplarisch auf den Vergleich der Ergebnisse der Sicherheitsumfrage 2014 in zwei Stadtteilen. Da hatten in der Südstadt, in der siebenmal so viele Straftaten registriert werden wie in Weiherfeld-Dammerstock nur 17 Prozent der Befragten angegeben, sich bei Dunkelheit „unsicher zu fühlen“. In Weiherfeld-Dammerstock waren dies hingegen etwa 30 Prozent, und über die Hälfte beklagte, dass sich ihr persönliches Sicherheitsempfinden verschlechtert habe.

Stadt und Gemeinderat wollen dazu beitragen, das Sicherheitsgefühl zu verbessern, das auch, so Mentrup „ein wichtiger Standortfaktor ist“. Doch bisher gibt es keine Ansatzpunkte für Stellschrauben. „Uns fehlen die Gründe, warum sich die Menschen unsicher fühlen“, erwartet der Leiter des Ordnungs- und Bürgeramts Dr. Björn Weiße Antworten dazu von einem Sicherheitsaudit in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg. Der Audit habe bereits in Heidelberg mit aus ihm abgeleiteten Präventionsmaßnahmen die Gewaltkriminalität gesenkt und vor allem das Empfinden in der Bevölkerung verbessert, betonte der zuständige Soziologe und Kriminologe Prof. Dieter Hermann im Ausschuss. Das Gremium wiederum begrüßte die Durchführung der Untersuchung. Erste Teile davon sind laut Weiße bereits in der gerade gestarteten Bürgerumfrage 2018 verankert. Welche Stadtteile dann als exemplarische Quartiere für vertiefende Untersuchungen ausgewählt werden, soll sich nach der Auswertung der gesamtstädtischen Betrachtung entscheiden. Für diesen Vorschlag des OB gab es ebenfalls einhellige Zustimmung im Ausschuss. -trö-

 
 

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