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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 13. Juli 2018

Einbürgerungsfeier: Flucht, Liebe, Freiheit

EINGEBÜRGERT: Die 91-jährige Dzidra Skarite Lämmel (links) und Anna Patricia Owen mit OB Dr. Frank Mentrup. Foto: Fränkle

EINGEBÜRGERT: Die 91-jährige Dzidra Skarite Lämmel (links) und Anna Patricia Owen mit OB Dr. Frank Mentrup. Foto: Fränkle

 

91-Jährige nach 75 Jahren Deutsche

„Machen sie mit, bringen Sie sich ein“, rief Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup seinen Gästen bei der 15. Karlsruher Einbürgerungsfeier zu. Immerhin 275 Karlsruherinnen und Karlsruher mit ausländischen Wurzeln haben dazu seit Kurzem erstmals die Gelegenheit: Sie haben zwischen November und April die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.

Nun können sie etwa mitbestimmen, wie sich der Gemeinderat der Fächerstadt zusammensetzt, sich in einer Partei engagieren oder sogar selbst als Stadtrat oder Stadträtin kandidieren. Mentrup unterstrich die Verschiedenheit der Lebensgeschichten und Wege, die die Neueingebürgerten nach Karlsruhe geführt haben. „Einige von Ihnen sind hier geboren und aufgewachsen, andere kamen als Arbeiter, Führungskräfte oder Wissenschaftler. Manche von Ihnen sind vor Gewalt und Unterdrückung geflohen, andere suchten ein besseres, freieres Leben. Und einige sind wegen der Liebe nach Karlsruhe gekommen.“

Sie alle eine der Wunsch, mit einem deutschen Pass in Karlsruhe zu leben. Stellvertretend für alle neu Eingebürgerten berichtete Anna Patricia Owen, die zuvor ausschließlich die britische Staatsbürgerschaft hatte, aus ihrem Leben. Aufgrund der laufenden Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU hatte sich die gebürtige Britin, die in Waldbronn aufgewachsen ist, bewusst zur EU bekennen wollen. Vorerst verfügt die vielseitig ehrenamtlich Engagierte über die doppelte Staatsbürgerschaft.

Als eine der ältesten jemals eingebürgerten Frauen nahm Dzidra Skarite Lämmel  an der Feier teil. Die 91-Jährige wurde 1927 in Riga geborgen und besaß bislang die lettische und österreichische Staatsbürgerschaft. In Deutschland lebt sie schon seit ihrem 17. Lebensjahr, in Karlsruhe seit 1952. Die grazile ehemalige Solo-Balletttänzerin ist noch heute sehr aktiv und unterrichtet Gymnastikgruppen. „Es war mein Wunsch, am Ende doch noch Deutsche zu werden“, erzählt sie lächelnd. „Es ist ein tolles Zeichen, sich mit 91 Jahren noch zur deutschen Staatsbürgerschaft zu bekennen – und das in der Stadt, in der man lebt“, so Mentrup anerkennend. Umrahmt wurde Feier vom Orchester 1 des Helmholtz-Gymnasiums. -bea-

 
 

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