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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 13. Juli 2018

Städtepartnerschaften: Zu einer neuen Qualität der Arbeit gefunden

ZUM ERFAHRUNGSAUSTAUSCH kamen im Bürgersaal des Rathauses am Marktplatz unter Leitung der Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und Laurent Hénart zahlreiche Mitglieder der Gemeinderäte der Partnerstädte Karlsruhe und Nancy zusammen. Foto. Fränkle

ZUM ERFAHRUNGSAUSTAUSCH kamen im Bürgersaal des Rathauses am Marktplatz unter Leitung der Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und Laurent Hénart zahlreiche Mitglieder der Gemeinderäte der Partnerstädte Karlsruhe und Nancy zusammen. Foto. Fränkle

 

Gemeinderäte von Nancy und Karlsruhe trafen sich im Rathaus / Konkrete Probleme der Menschen gemeinsam angehen

Die Städtepartnerschaft mit Nancy bekam am vergangenen Samstag beim nunmehr zweiten Treffen der Gemeinderäte eine weitere neue Qualität: Tauschte man vor einem Jahr noch Erklärungen aus, wurde jetzt in Arbeitsgruppen lebendig und konstruktiv-kritisch diskutiert, und verabredeten die vielen teilnehmenden Gremiumsmitglieder konkrete Vorhaben, resümierte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup.

Nancys Stadtoberhaupt Laurent Hénart wies auf das zeitgleiche Treffen der beiden Industrie- und Handelskammern hin und regte an, sich künftig öfter zu treffen und Erreichtes stets zu überprüfen. Die Städte müssten helfen, Frieden zu sichern und sich den demografischen, migrationsbedingten und ökologischen Problemen stellen.
Im Vortragsteil stellte als künftige Strategie der Region Grand Est, in der das Elsass seit 2016 aufging, Amtsleiter Dominique Lorrette den neuen „makroregionalen Ansatz“ vor.

Danach soll auch in Fortschreibung des Elyssée-Vertrages grenzüberschreitend nun in Nachbarschaft zu Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Belgien und Luxemburg in weiteren Räumen, nicht nur grenznahen, der Alltag der Menschen erleichtert werden. Etwa im Verkehr mit besseren Verbindungen, gemeinsamen Tickets und Preisen, der Anerkennung von Berufs- und Studienabschlüssen, dem Sprachenlernen von Klein an, im Schüler- und Studierendenaustausch, wirtschaftlicher Vernetzung über die Industrie- und Handelskammern, finanziert über europäische Förderprogramme und die Unternehmen.

Auch der Europabeauftragte des Landes, Johannes Jung, kündigte aufgrund der Dynamik durch Macron und Grand Est eine neue Frankreichkonzeption des Landes an. Deutlich aufgewertet werden soll die konkrete deutsch-französische Zusammenarbeit ebenfalls mit Fokus auf Verkehrswege sowie die von Lorette genannten Themen, darüber hinaus auf die digitale Infrastruktur und den Rückbau kerntechnischer Anlagen wie Fessenheim.

Bei der Präsentation ihres trilateralen Projekts, für das zehn Jugendliche ein Jahr lang „Lebensgefühle 1918-1968-2018“ zunächst per Instagramm und während der Jugendkonferenz (JouConf) vom 18. bis 26. Mai in Karlsruhe (die nächste findet 2019 in Nancy statt) über ein Zeitzeugengespräch, einen Gedenkstättenbesuch sowie durch ein eigenes Lied, eine Ausstellung und einen Film erkundet hatten, wünschten sie sich, Jugendarbeit mit noch mehr Veranstaltungen zu fördern, um das Bildungssystem zu verbessern.

Für eine Partnerschaft in urbaner Mobilität mit Rad- und Fußverkehr wie ÖPNV verlangte die Chefin des Stadtplanungsamts, Prof. Dr. Anke Karmann-Woessner, integrierte Transport- und Siedlungskonzepte, eine europäische Gesetzgebung, die Bedürfnisse und Erfahrungen der Städte, in der 70 Prozent der Menschen leben und 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet wird, berücksichtigt, den Zugang zu Förderprogrammen und einen Verwaltungshierarchien übergreifenden Erfahrungsaustausch.

Sich gegenseitig helfen

In Workshops Ideen zu vier Themenkomplexen entwickelt
Beim Austausch zwischen Nancy und Karlsruhe ging es in Workshops zum Thema Europa und Mobilität beispielsweise um Teilhabemöglichkeiten für bildungsferne Jugendliche, Senioren und Behinderte oder um einen verbesserten Übergang zwischen Fernverbindungen und ÖPNV. Bei urbaner Ökologie und Stadtplanung sind der hiesige Stadtbahn- und Fahrradverkehr für Nancy interessant, umgekehrt der ökologische und soziale Hitzeplan mit ehrenamtlichen Meldeketten aus Nancy für Karlsruhe. In der Kultur ist eine gemeinsame Kommunikationsplattform vorstellbar, eine Rubrik über Karlsruhe im Kulturmagazin von Nancy und auf der Karlsruher Internetseite über Nancy, die Intensivierung des gut laufenden Künstleraustausches und Kulturwochenenden.

In der Wirtschaft können sich beide Städte durch den Austausch von Gutachten, wie dem zur Cityentwicklung unterstützen. Die Verwaltung will schauen, ob das Markthallenkonzept von Nancy auch hier funktionieren kann. Nancy will den Kreativpark genauer unter die Lupe nehmen. Auf großen internationalen Messen wie der Expo Real wird Nancy auf dem Karlsruher Stand präsent sein, auf der Immobilienmesse in Cannes wird die Fächerstadt auf der Vertretung von Nancy zu Gast sein. Mit Nancy und Krasnodar soll es einen trilateralen Austausch von Gymnasien geben. Dafür und weitere Projekte wollen sich die Städte intensiv um Fördermöglichkeiten, auch über europäische Programme, bemühen. -cal-

 
 

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