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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 27. Juli 2018

Gemeinderat: Gemeinschaftsschule mit Oberstufe

Kontroverse Debatte um verschiedene Vorstellungen von Schule / Komplettierung in Oberreut oder Waldstadt / Vielfalt versus Parallelstrukturen

Frühestens ab dem Schuljahr 2020/21 soll eine der aktuell vier öffentlichen Gemeinschaftsschulen (GMS) Karlsruhes durch eine gymnasiale Oberstufe erweitert werden. Das beschloss der Gemeinderat vorige Woche mit 30:15 Stimmen.

Die Verwaltung entwickelt ein Konzept, das unter anderem die Standortfrage thematisiert. Aus räumlichen Gründen kommen nur die Oberreuter Anne-Frank- und die Ernst-Reuter-GMS in der Waldstadt in Frage, weder die Grötzinger Augustenburg- noch die Drais-GMS in Mühlburg verfügen über ausreichendes Potenzial. Dem Votum ging eine rege Debatte voraus: Befürworter halten den in der neuen Schulform immer angelegten Zweig für unbedingt geboten. Kritiker und Skeptiker warnen vor „Parallelstrukturen, für die auf lange Sicht kein Bedarf besteht“ (Johannes Krug, CDU) und fürchten wie Karl-Heinz Jooß (FDP) „ein Absinken des Bildungsniveaus, Rückschritte“.

An den Prüfauftrag per interfraktionellem Antrag von CDU, FDP, Grünen und SPD erinnerte für Letztere Sibel Habibovic: „Das Ergebnis zeigt die Machbarkeit.“ Viele Wechsel von allgemeinbildenden Gymnasien auf berufliche belegten deren attraktive Profile. Ein durch eine voll ausgeprägte GMS erweitertes „breites, vielfältiges Angebot zeichnet eine gute Schullandschaft aus“. Dem hielt Dr. Paul Schmidt (AfD) entgegen: „Es soll so bleiben wie bisher. Wer Abi machen will, kann ja auf ein Gymnasium wechseln.“

Renate Rastätter (GRÜNE) sah das elterliche Wahlrecht gestärkt und keine Probleme, das Minimum an 60 Schülern zusammenzubekommen. „Wir freuen uns. Es gibt sehr gute Voraussetzungen.“ Die Standortfrage sei offen. „Wir sehen keine Notwendigkeit“, konterte Krug: „Wir sind nicht überzeugt. Ist es realistisch, zu glauben, dass Realschüler das Abi schaffen? Bisherige Zahlen sprechen nicht dafür.“ Rastätter betonte auch bessere Berufschancen für Gymnasiallehrer. Die gingen nur an eine GMS, wenn es keine Alternativen gebe, erwiderte Krug. Eine Kontroverse „um grundsätzliche Vorstellungen von Schule“ erkannte Lüppo Cramer (KULT). Was anstehe, sei ein konsequenter, abzusehender Schritt. Seine Fraktion gehe mit, wenn das Land neue Strukturen und Perspektiven biete. -mab-

 
 

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