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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 3. August 2018

Kultur: "Blickkontakt" in der Städtischen Galerie zeigt Porträts im Wandel der Zeit

Spezielle Hängung: Die Galerie erleichtert den Blickkontakt, indem sie einige Exponate besonders hervorhebt. Foto: Bastian

Spezielle Hängung: Die Galerie erleichtert den Blickkontakt, indem sie einige Exponate besonders hervorhebt. Foto: Bastian

 

Gesichter erzählen Geschichten

Die Schweizer Sängerin Rösli Weidmann trägt einen stilvollen blauen Hut zum mokkabraunen Mantel. Sie hat den Kopf nach rechts gedreht, wendet sich aber nicht ab. Aus den Augenwinkeln heraus taxiert sie ihre Betrachter. Die Dame ist selbstbewusst, ihr Blick herausfordernd.

Mit dem 1915/1916 entstandenen Porträt seiner Geliebten nimmt Wladimir von Zabotin den für die zwanziger Jahre stilbildenden Typus der "Neuen Frau" vorweg. "Blickkontakt. Gesichter einer Sammlung" überschreibt die Städtische Galerie ihre Ausstellung mit rund 140 Gemälden und Grafiken aus dem Porträtbestand des Museums.

Die von Hannah Schreiber kuratierte Schau zeigt bis Januar 2019 bekannte, aber auch zuvor noch nicht gezeigte Bildnisse von Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart und damit die vielfältigen Facetten des Genres. Dabei bleiben Fragen nach Identität, Individualität und Wiedererkennbarkeit höchst aktuell. Während der derzeit grassierende Selfie-Zwang "flüchtig, massenhaft und unkonzentriert" sei, zwinge das analoge Porträt zum Innehalten, lade zum Nachdenken über die Geschichte dahinter ein, sagte Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche beim Pressegespräch.

Die Präsentation unterstützt diesen Aspekt. Ein Großteil der Exponate drängt sich dicht an dicht neben- und untereinander, weist aber grau umrandete Leerstellen auf. Was dort fehlt, hängt als prominenter Blickfang an den gegenüberliegenden Wänden. Zum ruhigen Betrachten fordert etwa Wilhelm Trübners Selbstbildnis von 1905 auf. Der Professor an der Karlsruher Kunstakademie fürchtete ein Dasein als "Lebenslänglich Angestellter einer Mahlanstalt" und stellte sich als schwer bepackten Esel dar. Auch die 1967 von Thomas Bayrle geschaffene "Kuh-Frau" hebt sich aus der Masse hervor. Aus der Ferne lässt sich das Gesicht Marilyn Monroes erkennen, aus der Nähe zerfällt die Pop-Art Ikone in Werbesymbole aus Kuhköpfen der Käsemarke "La vache qui rit". Offen ist die Schau in der Lorenzstraße 27 mittwochs bis freitags von 10 bis 18 Uhr, an Wochenenden von 11 bis 18 Uhr. -maf-

 
 

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