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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 24. August 2018

200 Jahre Badische Verfassung: Standesgemäßes Event für Badische Verfassung

Foto: Fränkle

Foto: Fränkle

 

Zum Schluss trugen gelbe und rote Ballons über dem Schloss die Botschaft der unterzeichneten Badischen Verfassung in alle Himmelsrichtungen (unser Bild). Zum Jahrestag des 22. August 1818 hatten sich am Mittwoch zahlreiche Menschen inklusive Politprominenz bei schweißtreibend strahlender Sonne eingefunden, um den Meilenstein deutscher Verfassungsgeschichte ernsthaft wie augenzwinkernd zu würdigen.

Aufmarschiert war in bester badischer Festtradition die uniformierte Bürgerwehr samt farbenfreudig gekleideter Damen und garnierte das Ganze mit reichlich Pulverdampf erzeugenden Böllerschlägen. Auf Einladung der Badischen Heimat, der Landesvereinigung Baden und Europa wie der Stadt  erinnerte OB Dr. Frank Mentrup an Karl Friedrich Nebenius, den Schöpfer der deutschlandweit modernsten Verfassung, die Großherzog Karl fast schon zwangsweise vier Tage vor seinem Tod gerade noch rechtzeitig  unterzeichnete, was sein konservativer Thronfolger Ludwig so nicht mehr getan hätte.

Das aus unterschiedlichen Gebieten mit noch mehr Traditionen zusammengewürfelte, fast bankrotte Baden hatte eine solche einigende Klammer bitter nötig. Sie sollte, so Mentrup, das Land zusammen führen, Territorien wie die Thronfolge der zweiten Linie des badischen Hauses sichern. Baden wurde so zu einem konstitutionellen, inklusive des Fürstenhauses der Verfassung unterworfenen Staat. Untertanen wurden Bürger mit persönlichen  Rechten samt  Mitsprache in der zweiten parlamentarischen Kammer, deren Debatten demokratische Gedanken deutschlandweit zum Thema machten. Standesprivilegien wie die Steuerfreiheit von  Klerus und Adel verschwanden.

Mit den Paragrafen 13, 14, 17 und 18 „proklamierte“ Mentrup mit dem Schutz des persönlichen Eigentums, der Rechtssicherheit, also der Unabhängigkeit der Gerichte, der „Pressfreiheit“ und der uneingeschränkten Gewissens- also Religionsfreiheit ihren auch späteren  Verfassungen zugrunde liegenden  Kern, den es stets zu verteidigen gelte. „Lassen Sie uns gestärkt durch den heutigen Tag weiter um Demokratie und Menschenrechte kämpfen“, rief der OB. Wie  Zeitgenosse Johann Peter Hebel in seiner Kalendergeschichte  „Die leichteste Todesstrafe“ Autokratenwillkür „aushebelte“, demonstrierten Prof Dr. Jan Knopf, Michael Obert und Roland Brunner anschießend szenisch, gekrönt vom Badnerlied. -cal-

 
 

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