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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 24. August 2018

Kultur: Zwei Leben in „neuer Gemeinschaft“

HEDWIG LACHMANN auf dem Titel des Begleitbands. Foto: Fränkle

HEDWIG LACHMANN auf dem Titel des Begleitbands. Foto: Fränkle

 

Die Schau „Liebe und Revolution“ läuft noch bis 2. September im Literaturmuseum

Die leidenschaftliche Liebe zwischen der Lyrikerin und Übersetzerin Hedwig Lachmann und dem Karlsruher Literaten, Journalisten und Revolutionär Gustav Landauer wie deren Künstler- und Lebensgemeinschaft dokumentiert noch bis 2. September die Schau „Liebe und Revolution“.

Gezeigt werden   im Literaturmuseum, Karlstraße 10, Porträts, Briefe, Gedichte, Übersetzungen und weitere Veröffentlichungen, oft in Erstausgaben. Etwa Briefe, die der verheiratete, blitzartig verliebte Gustav 1899 an Hedwig schreibt, nachdem er sie in einem Berliner Literatenkreis kennengelernt hatte: „… wer so eine innige Zuneigung gefasst hat, wie ich zu ihnen beim ersten Blick in ihre Augen, der kann will nicht warten“.

Lachmann wurde 1900 etwa durch die Übersetzung der Salome von Oscar Wilde, die Richard Strauss für das  Libretto seiner Oper verwandte, bekannt.  Davon zeugen  in der Schau zwei Ausgaben mit Jugendstilillustrationen von Aubrey Beardsley. Warten musste Landauer, der Theoretiker des Anarchismus, der eine von mehreren Haftstrafen verbüßte, denn doch noch, ehe er mit seiner Geliebten 1901 kurzzeitig  nach London, dann wieder nach Berlin, 1903 inzwischen geschieden, 1917 schließlich ins schwäbische Krumbach zog. In dieser Zeit entstanden beispielsweise filigrane Gedichte, beider Studien „Die Revolution“ und “Aufruf zum Sozialismus“.

Nach ihrem Tod 1918 beteiligte er sich auf Bitten Kurt Eisners an der Münchner Novemberrevolution, wird Kulturbeauftragter der Stadt, dann verhaftet und am 2. Mai 1919 im Gefängnis brutal ermordet. Hintergrund ist die  persönliche wie politische Krisenzeit zwischen 1899 und dem Revolutionsjahr 1918, in der das Paar nach einer besseren „Neuen Gemeinschaft“ strebte, in gemeinsamer „Arbeit an Sprache und Tradition, an den jüdischen Wurzeln sowie einem tief empfundenen Humanismus“, wie Herausgeber Hansgeorg Schmidt-Bergmann im 108-seitigen, zwölf Euro teuren Begleitband, erschienen im Info-Verlag, schreibt. -cal-

 
 

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